NATÜRLICH LERNEN

Leben und Lernen einer Homeschooling Familie

Rechtschreibung 6. April 2011

In „Mehr Geschichten“ habe ich am Schluss geschrieben: „Und das mit der Rechtschreibung kommt dann schon noch. Erste Erfolge sehe ich schon.“ Dann habe ich begonnen, darüber nachzudenken wieweit sie schon gegangen sind, auf ihrem Weg, die Rechtschreibung zu meistern: Zuerst mal haben sie die Buchstaben gelernt. Zu dieser Zeit ausschliesslich die Grossbuchstaben. Wir haben eigentlich viel Buchstabenmaterial zuhause, aber ich glaube nicht, dass sie die Buchstaben hauptsächlich mit diesem Material gelernt haben, es wurde nämlich recht wenig gebraucht. Wie sie es genau gelernt haben, weiss ich daher gar nicht. Dann haben sie begonnen damit erste Wörter, vor allem ihren eigenen Namen zu schreiben. Oft ging der Schuss aber noch nach hinten los, sie haben spiegelverkehrt und rückwärts geschrieben, dann stand dann da etwa ANAY statt YANA 😉

Als nächster Schritt hat Leia dann damit angefangen ganze Texte zu schreiben, z.B. Postkarten, aberallesineinembandwurmohnepunktundkommaundohnewortabstände.Und natürlich so wie sie’s gehört hat, alles phonetisch. Das konnte dann wirklich eine Herausforderung sein, so eine Karte zu lesen und  zu verstehen. Oft haben wir zum besseren Verständnis im Nachhinein jedes Wort mit einer anderen Farbe angemalt. Aber sie war lange Zeit durch nichts zu überzeugen, mal zu versuchen, Abstände zwischen den Wörtern zu machen. Bis sie eines Tages mit viel Mühe eine Karte für Grossmami geschrieben hat, die sie dann selber gar nicht mehr lesen konnte. Von diesem Tag an versuchte sie Abstände zu machen, sie hatte den Sinn eingesehen.

Wenig später hat sie dann begonnen, ihre erste kleine Geschichte am PC zu schreiben. Da gab es zwar nun bereits Wortabstände, aber immer noch keinen Punkt und wirklich sehr viele Schreibfehler. Z.T. auch solche, bei denen ich mir langsam Sorgen machte, ob sie die gesprochene Sprache überhaupt gut versteht, so hat sie z.B. lange Zeit konsequent nur „K’s“ geschrieben egal ob „ch“ oder „k“. Ausserdem habe ich gelernt, dass das mit den einzelnen Wörtern gar nicht so einfach ist, wie man meint:  Wörter wie „Hochhaus“ wurden oft zu „Hoch Haus“ und umgekehrt, 2 Wörter wurden zu einem. Das mit dem „K“, das war auch noch lustig: Irgendwann dann einmal, nach, wie es mir scheint, langer Zeit, hat sie dann tatsächlich mal angefangen „ch“ und „k“ und zu unterscheiden. Ich war froh, konnte ich doch sehen, dass sie doch einen Unterschied hören konnte und soweit alles in Ordnung war. Nicht lange danach, hat ein Freund von ihr „ik“ statt „ich“ geschrieben und sie hat sich mir gegenüber darüber lustig gemacht: „Schau mal, der schreibt ja „ik“ statt ich, so lustig!“ Diese Aussage hat mich ein bisschen irritiert und ich fand es nötig, sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie den genau gleichen Fehler bis erst noch auch immer gemacht habe. Sie meinte dazu nur: „Ja, ich war ja auch nur zu faul, um mehr Tasten zu drücken, darum, k geht schneller.“ Ach so…

Yana hat in dieser Zeit hauptsächlich viel gelesen. Alle (korrigierten) Geschichten von Leia und auch noch haufenweise Geschichten die ich erfinden musste. Irgendwann hat sie sich dann auch hingesetzt und angefangen (ganz langsam, jeder Buchstabe einzeln) ihre erste Geschichte zu schreiben.

In einer fliessenden Entwicklung werden bei beiden die Satzstrukturen immer besser, Punkte sind jetzt selbstverständlich, erste Kommas, sowie Fragezeichen usw. kommen auch, die einzelnen Wörter werden schon länger auch als solche geschrieben, „ch“ ist nun „ch“, „schp“ wird zu „sp“, „ai“ zu „ei“ und „oi“ zu „eu“. Natürlich gibt es immer noch viele Fehler, aber beide wollen jetzt immer öfter wissen, ob man etwas mit „ie“ schreibt, oder mit zwei „m“ und erinnern sich dann auch später wieder daran. Jetzt haben auch beide angefangen mit Kleinbuchstaben zu schreiben und sind sich gerade damit am auseinandersetzen, welche Wörter denn nun einen Grossbuchstaben am Anfang benötigen.

Manchmal wollen sie, dass ich ihre Geschichten mit ihnen zusammen korrigiere, dann versuchen wir die Fehler, so ähnlich wie in einem Dedektivspiel, gemeinsam zu finden. Manchmal interessiert das aber auch gar nicht und das ist auch ok. Ich will ihnen das Schreiben nicht mit Stunden erzwungenen Korrigierens vergällen. Ich glaube auch nicht, dass sie dabei viel lernen würden.

 

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mehr Geschichten 21. Februar 2011

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Im Moment sind bei uns haufenweise Büchlein am entstehen. Dass wir so einen kleinen Buchbinder gekauft haben, war wirklich eine gute Idee. Der wird jetzt viel gebraucht. Cool finde ich auch die Verschiedenheit der Werke. So hat z.B. Leia gerade ein „Babybuch“ geschrieben, ein Buch für Amber, in welchem sie sich speziell eine einfache Geschichte für ganz Kleine ausgedacht hat. Dieses haben wir dann auch noch laminiert und Amber hat ihre helle Freude daran.  Weiter gibt es Geschichten in verschiedenen Zeiten, eines ist in der ersten Person Gegenwart am entstehen, eines hat wie ein richtiges Buch hinten eine Zusammenfassung bekommen. Einige sind 100% Fantasiegeschichten, einige haben einen „echten“ Hintergrund. Das Einzige, was sie alle gemeinsam haben, ist, dass es Tiergeschichten sind.

Es ist wirklich toll zu sehen, wie sie sich Gedanken machen über das was sie schreiben, ihren Schreibstil anzupassen versuchen, mit verschiedenen Zeiten und Personen jonglieren und experimentieren. Und das alles aus eigener Initiative (Helene, diese Geschichte da schreibe ich so, als ob sie der Fuchs erzählen würde!) Nicht immer kommt es raus wie „aus dem Schulbuch“, aber eigentlich bin ich überzeugt, dass ihnen ihr freier, „frisch von der Leber“ Stil und ihr positives Darangehen schlussendlich mehr bringt.  Und das mit der Rechtschreibung kommt dann schon auch noch, erste Erfolge sehe ich schon 🙂

 

André Stern 5. Februar 2011

Die neue Webpage vom Verein „Bildung zu Hause Schweiz“ ist da. Nach meinem Geschmack ist sie viel besser geworden, übersichtlicher, aber auch frischer und angenehmer zu lesen. Aber der Grund, warum ich das hier sage ist, weil es gleich auf der Startseite ein spannendes Filmchen hat. Ein ca. 12 min Interview mit André Stern, einem mittlerweile erwachsenen „Freilerner“ oder „Unschooler“ aus Frankreich. Hier kann man es sich anschauen.

 

Eine neue Art Büchlein 21. Oktober 2010

Filed under: Allgemein,Aufwachsen — Natürlich lernen @ 05:35
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Bei uns sind 2 Büchlein einer neuen Art am entstehen. Vorgestern hat sich Yana hingesetzt und erklärt: „Ich mache jetzt ein Flötenbuch“. Darauf nahm sie Papier und Stifte und hat zuerst ein Titelbild hergestellt, dann ein Lied getextet, die Melodie dazu erfunden und dann das Ganze niedergeschrieben. Meine Arbeit dabei war, ihr zu helfen die  Notenlinien mit dem Lineal gerade hinzukriegen, den Rest hat sie alleine gemacht.

Leia hat sich irgendwann davon anstecken lassen und beschlossen ein Klavierbuch zu schreiben. Auch sie hat jetzt schon ihr erstes einfaches Lied fertig, mit Text und passender Melodie, beides hineingeschrieben.

Ich selber war und bin wohl nicht besonders musikalisch. Habe als Kind nie ein Instrument gespielt und auch ziemlich falsch gesungen. Das man einfach so hinsitzen könnte und selber ein Lied erfinden, mit Takt, Text und Melodie und das Ganze dann auch noch recht einfach aufschreiben kann, das ist schon fast sowas wie eine Offenbarung für mich.

Jetzt freue ich mich darauf, zuzuschauen wie sich die Büchlein weiterentwickeln!

 

Bienenbuch von Leia 23. August 2010

Filed under: Allgemein,Aufwachsen — Natürlich lernen @ 06:34
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Leia`s Büchlein über Bienen ist fertig geworden. Hier kann man es bestaunen.

 

Lernorte 22. August 2010

Ich habe einen Traum…  Mein Traum (oder eher ein Traum) der handelt – ja, schon auch von Freiheit – aber vor allem im Zusammenhang mit Lernen und Schulen. Was sie sein könnten, die Schulen. Idealerweise. Vielleicht irgendwann mal sein werden? Ich weiss es nicht, aber ich Teile die Idee hier mal mit jedem der sie Lesen will. Alles was wir erfunden haben, musste irgendwie zuerst von jemandem gedacht werden…

Also: Ich träume von Orten, z.B. grosse, schöne, lichte Häuser, die könnte man Lernhäuser nennen, oder Lernorte, oder so. In denen hat es ganz viele Ressourcen und Material zu einem Thema, sowie Leute die einem weiterhelfen, wenn nötig. Offen sind diese Orte für ALLE und immer, aber gehen müssen tut NIEMAND. Es gäbe nicht eine Lektion die jemand besuchen muss. Vielleicht kann man sich zu verbindlichen Kursen einschreiben, aber niemand muss das tun.

Um dort eine „Lehrperson“ zu sein, müsste man lediglich zwei Voraussetzungen erfüllen: 1. viel über ein Thema wissen, 2. dieses Wissen gerne mit anderen Menschen teilen wollen. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Wenn also jemand, ob Kind oder Erwachsener, Infos zu einem Thema sucht, sich Weiterbilden will, interessiert an Naturwissenschaften ist, Tanzen lernen will, oder, oder, oder, kann er ganz einfach dort hingehen und sich das Wissen/Können aneignen. Die öffentliche Schule wie es sie heute gibt, würde dann gar nicht mehr existieren. Jeder wäre frei, jederzeit selbstbestimmt zu lernen was er will und braucht. Ich glaube, das würde uns ungeahnte Potenziale eröffnen, wäre ein Einstieg in eine wirkliche, echte Informations- und Wissensgesellschaft, als die wir uns heute gerne bezeichnen.

 

Wo liegen die Prioritäten? 1. Juli 2010

Obwohl wir eigentlich deutlich spüren, dass, wie wir unsere Kinder aufziehen, für uns der richtige Weg ist, schleicht sich da manchmal ein kleines Teufelchen in meinen Kopf und stellt Fragen wie: „Werden wir unseren Kindern mit dieser Art der Erziehung gerecht? Was brauchen sie später? Was sind denn überhaupt wichtige Fähigkeiten in 15 oder 20 Jahren?“

In der Schule wird, vor allem in den ersten Jahren, sehr viel Gewicht auf Lesen, Schreiben und Mathematik gelegt. Auf den ersten Blick ist das ja auch einleuchtend, es ist ja irgendwie sowas wie ein Fundament, und darauf kann man aufbauen. Auf die andere Seite sind diese Fähigkeiten eben auch einfach Werkzeuge, die man im täglichen Leben brauchen kann. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber gibt es nicht wichtigeres zum Lernen? Eigentlich dünkt es mich, dass andere Fähigkeiten wie z.B. Teamfähigkeit, Flexibilität, Neugierde, Enthusiasmus, Toleranz eigentlich wichtiger sind als pure Wissensanhäufung. Und trotzdem spielen solche Fähigkeiten in der Schule, obwohl sie durchaus auch berücksichtigt werden, eher eine Randrolle. Was ja auch verständlich ist – wie soll ein Lehrer alle diese Fähigkeiten in den Schulstunden zum Leben erwecken? Geht doch gar nicht! Hier sind vor allem die Eltern gefragt, ob das gefällt oder nicht. Die Aufgabe der Schule reduziert sich darum vielleicht automatisch mehr auf messbare Inhalte, eben Mathe und so. Früher, als Buchstaben und Zahlen im Leben vieler noch weniger präsent waren, denke ich, war es sicher eine gute Idee, Kinder zu sammeln und ihnen in Gruppen mit einer Lehrperson diese Welt zu eröffnen. Inzwischen sind Buchstaben und Zahlen so omnipräsent, dass ein Kind fast gar nicht anders kann, als früher oder später Rechnen, Lesen und Schreiben zu lernen.

Darum wundere ich mich ob es sich überhaupt lohnt, soviel Gewicht auf Lesen, Schreiben und Rechnen zu legen. In der Schule sind das die Hauptthemen, und auch wir sind ein bisschen angesteckt davon, aber vielleicht wird das überbewertet, diese Grundtechniken lernen sie sowieso, fast wie nebenbei, weil es eigentlich gar nicht anders geht.

Aber – wenn nicht  Buchstaben und Rechnen das Hauptthema sind, was ist es dann, was Kinder üben sollen/müssen? Oder besser gesagt, was brauchen sie für Fähigkeiten wenn sie mal gross sind? Wo stehen wir dann? Was ist gefragt? Es gibt so unendlich viele Gebiete auf denen man fast unendlich viel wissen kann – und immer schneller ändert sich dieses Wissen zum Teil auch – kann es sein, dass man mit Fakten lernen gar nicht anders kann, als hinterher zu hinken? Wieviel ist trotzdem wichtig? Was ist denn überhaupt gutes Allgemeinwissen, in dieser Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint? Das sind Fragen die ich mir immer wieder stelle. Irgendwie scheint mir, dass Eigenschaften wie Wissenshunger, Engagement, Enthusiasmus, gute Selbsteinschätzung oder Soziale Kompetenzen wichtiger sind als angehäuftes (und vielleicht schon veraltetes) Wissen. Fähigkeiten wie „an etwas dranzubleiben“, oder „etwas genau verstehen zu wollen“, sind vielleicht wichtiger als einfach pures Sachwissen…

Aber wie kann man denn diese Eigenschaften am Besten fördern? Wohl damit indem man Kindern die Möglichkeit gibt, diese Fähigkeiten oft zu trainieren. Mir scheint, dass ein Kind welches selbstbestimmt seinen täglichen Aktivitäten nachgehen kann, das nicht dauernd unterbrochen wird, wenn es in etwas vertieft ist, das dann etwas erklärt bekommt wann es das auch wissen will, das genug Zeit hat um seine Stärken herauszubilden, mehr Chancen hat solche Eigenschaften zu üben.

Und dann wieder, eigentlich leben wir immer JETZT, die Kindheit ist darum keine „Vorbereitungsphase“ sondern ein Teil des Lebens. Vielleicht ist darum die beste Vorbereitung das was wir schon tun: LEBEN. An jedem Tag in ihrem Leben „Sind“ sie und gehen ihren Interessen nach, in diesem Sinne glaube ich, dass das die beste Art der „Vorbereitung“ ist. Das wird irgendwann ganz natürlich und fliessend in eine „Erwachsenentätigkeit“, Lehre oder Studium übergehen.