NATÜRLICH LERNEN

Leben und Lernen einer Homeschooling Familie

Rechnen lernen 14. April 2011

Filed under: Allgemein,Aufwachsen,Uncategorized — Natürlich lernen @ 05:32
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Damit es möglichst attraktiv wird, öfter ein bisschen zu rechnen, haben wir uns eine Rechenecke eingerichtet, in der wir verschiedene Rechenspiele, die Schulbücher, Blätter usw. haben.  Da suchen sie sich möglichst jeden Tag was aus. Häufig wollen sie aber auch am PC rechnen, mit Freddy dem Vampir, oder auf iknowthat.com.

Am liebsten addieren sie, am allerliebsten hantieren sie mit grossen Zahlen (vielen Nullen, das sieht spannender aus). Bis jetzt haben beide Minusrechnungen soweit wie möglich vermieden, das Thema Brüche und Komma haben wir bis jetzt erst ganz am Rand berührt. Jetzt hat sich Leia den Freddy 3. Klasse in der Bibliothek ausgeliehen und ein bisschen damit gespielt. Immer die etwa gleichen 3 Spiele die sie schon konnte, vieles war einfach noch zu schwierig. Vor ein paar Tagen hat sie mit einem Freund ein anderes Spiel mit Freddy ausprobiert. Und zwar hatte Freddy Geld in einem Portmonee und wollte etwas kaufen. Da muss man dann die Rechnung schreiben und herausfinden wieviel Geld er am Schluss noch hat, also z.B.: 45.60Euro – 12.40 Euro = 33.20Euro. Das beinhaltet Minusrechnen und Kommarechnen und das alles erst noch über die Zehner auf verschiedene Arten. Der Freund hat gerechnet und Leia hat ihm gezeigt, wie alles eingetragen werden muss.

2 Tage später hat sie dasselbe Spiel ganz alleine gespielt, einfach so. Zwar noch langsam – aber richtig 🙂

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Eselsbrücken 13. November 2010

Filed under: Allgemein,Aufwachsen — Natürlich lernen @ 08:08
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Dass Eselsbrücken eine gute Methode sind, sich etwas Neues merken zu können, ist wohl unbestritten. Dass sie individuell gebildet werden – wie unsere bisher gemachten Erfahrungen – auch.

Letzthin musste ich aber doch mehr als 2 Mal nachfragen, bis ich folgenden Gedankengang nachvollziehen konnte: Kommt die Jüngere zu mir und sagt: „Ich merke mir die Wochentage immer mit der feuchten Wiese! Sowas wie ein Moor, oder wie heisst das?“ „Hmm.. was tust du?“ „Ja, mit der feuchten Wiese.“ „Aha..“, jetzt arbeitet es bei mir – ich versuche mir vorzustellen was so eine feuchte Wiese oder ein Moor mit den Wochentagen zu tun haben könnte… habe aber keine wirklich sinnvolle Idee. „Wie kommt das? Wie kommst du darauf?“ „Ja, ganz einfach: MoDiMiDo FrSaSo!“ „Ah… ja, das sind die Abkürzungen der Wochentage – aber was haben denn die mit einer feuchten Wiese zu tun?“ „Ja, eben: ModiMido FrSaSo, nasse Wiese FrSaSo!“ Nachdem sie es mir noch ein bis zwei mal, jedesmal ein wenig deutlicher, gesagt hat, ist dann auch bei mir der Groschen gefallen. „Ja“, meinte Yana, „ganz einfach: modi mido, muddy meadow, nasse Wiese, Fr Sa So!“

Klar, wer merkt sich denn die Wochentage nicht ganz einfach mit einer nassen Wiese? 😉

 

Lernorte 22. August 2010

Ich habe einen Traum…  Mein Traum (oder eher ein Traum) der handelt – ja, schon auch von Freiheit – aber vor allem im Zusammenhang mit Lernen und Schulen. Was sie sein könnten, die Schulen. Idealerweise. Vielleicht irgendwann mal sein werden? Ich weiss es nicht, aber ich Teile die Idee hier mal mit jedem der sie Lesen will. Alles was wir erfunden haben, musste irgendwie zuerst von jemandem gedacht werden…

Also: Ich träume von Orten, z.B. grosse, schöne, lichte Häuser, die könnte man Lernhäuser nennen, oder Lernorte, oder so. In denen hat es ganz viele Ressourcen und Material zu einem Thema, sowie Leute die einem weiterhelfen, wenn nötig. Offen sind diese Orte für ALLE und immer, aber gehen müssen tut NIEMAND. Es gäbe nicht eine Lektion die jemand besuchen muss. Vielleicht kann man sich zu verbindlichen Kursen einschreiben, aber niemand muss das tun.

Um dort eine „Lehrperson“ zu sein, müsste man lediglich zwei Voraussetzungen erfüllen: 1. viel über ein Thema wissen, 2. dieses Wissen gerne mit anderen Menschen teilen wollen. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Wenn also jemand, ob Kind oder Erwachsener, Infos zu einem Thema sucht, sich Weiterbilden will, interessiert an Naturwissenschaften ist, Tanzen lernen will, oder, oder, oder, kann er ganz einfach dort hingehen und sich das Wissen/Können aneignen. Die öffentliche Schule wie es sie heute gibt, würde dann gar nicht mehr existieren. Jeder wäre frei, jederzeit selbstbestimmt zu lernen was er will und braucht. Ich glaube, das würde uns ungeahnte Potenziale eröffnen, wäre ein Einstieg in eine wirkliche, echte Informations- und Wissensgesellschaft, als die wir uns heute gerne bezeichnen.

 

Wo liegen die Prioritäten? 1. Juli 2010

Obwohl wir eigentlich deutlich spüren, dass, wie wir unsere Kinder aufziehen, für uns der richtige Weg ist, schleicht sich da manchmal ein kleines Teufelchen in meinen Kopf und stellt Fragen wie: „Werden wir unseren Kindern mit dieser Art der Erziehung gerecht? Was brauchen sie später? Was sind denn überhaupt wichtige Fähigkeiten in 15 oder 20 Jahren?“

In der Schule wird, vor allem in den ersten Jahren, sehr viel Gewicht auf Lesen, Schreiben und Mathematik gelegt. Auf den ersten Blick ist das ja auch einleuchtend, es ist ja irgendwie sowas wie ein Fundament, und darauf kann man aufbauen. Auf die andere Seite sind diese Fähigkeiten eben auch einfach Werkzeuge, die man im täglichen Leben brauchen kann. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber gibt es nicht wichtigeres zum Lernen? Eigentlich dünkt es mich, dass andere Fähigkeiten wie z.B. Teamfähigkeit, Flexibilität, Neugierde, Enthusiasmus, Toleranz eigentlich wichtiger sind als pure Wissensanhäufung. Und trotzdem spielen solche Fähigkeiten in der Schule, obwohl sie durchaus auch berücksichtigt werden, eher eine Randrolle. Was ja auch verständlich ist – wie soll ein Lehrer alle diese Fähigkeiten in den Schulstunden zum Leben erwecken? Geht doch gar nicht! Hier sind vor allem die Eltern gefragt, ob das gefällt oder nicht. Die Aufgabe der Schule reduziert sich darum vielleicht automatisch mehr auf messbare Inhalte, eben Mathe und so. Früher, als Buchstaben und Zahlen im Leben vieler noch weniger präsent waren, denke ich, war es sicher eine gute Idee, Kinder zu sammeln und ihnen in Gruppen mit einer Lehrperson diese Welt zu eröffnen. Inzwischen sind Buchstaben und Zahlen so omnipräsent, dass ein Kind fast gar nicht anders kann, als früher oder später Rechnen, Lesen und Schreiben zu lernen.

Darum wundere ich mich ob es sich überhaupt lohnt, soviel Gewicht auf Lesen, Schreiben und Rechnen zu legen. In der Schule sind das die Hauptthemen, und auch wir sind ein bisschen angesteckt davon, aber vielleicht wird das überbewertet, diese Grundtechniken lernen sie sowieso, fast wie nebenbei, weil es eigentlich gar nicht anders geht.

Aber – wenn nicht  Buchstaben und Rechnen das Hauptthema sind, was ist es dann, was Kinder üben sollen/müssen? Oder besser gesagt, was brauchen sie für Fähigkeiten wenn sie mal gross sind? Wo stehen wir dann? Was ist gefragt? Es gibt so unendlich viele Gebiete auf denen man fast unendlich viel wissen kann – und immer schneller ändert sich dieses Wissen zum Teil auch – kann es sein, dass man mit Fakten lernen gar nicht anders kann, als hinterher zu hinken? Wieviel ist trotzdem wichtig? Was ist denn überhaupt gutes Allgemeinwissen, in dieser Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint? Das sind Fragen die ich mir immer wieder stelle. Irgendwie scheint mir, dass Eigenschaften wie Wissenshunger, Engagement, Enthusiasmus, gute Selbsteinschätzung oder Soziale Kompetenzen wichtiger sind als angehäuftes (und vielleicht schon veraltetes) Wissen. Fähigkeiten wie „an etwas dranzubleiben“, oder „etwas genau verstehen zu wollen“, sind vielleicht wichtiger als einfach pures Sachwissen…

Aber wie kann man denn diese Eigenschaften am Besten fördern? Wohl damit indem man Kindern die Möglichkeit gibt, diese Fähigkeiten oft zu trainieren. Mir scheint, dass ein Kind welches selbstbestimmt seinen täglichen Aktivitäten nachgehen kann, das nicht dauernd unterbrochen wird, wenn es in etwas vertieft ist, das dann etwas erklärt bekommt wann es das auch wissen will, das genug Zeit hat um seine Stärken herauszubilden, mehr Chancen hat solche Eigenschaften zu üben.

Und dann wieder, eigentlich leben wir immer JETZT, die Kindheit ist darum keine „Vorbereitungsphase“ sondern ein Teil des Lebens. Vielleicht ist darum die beste Vorbereitung das was wir schon tun: LEBEN. An jedem Tag in ihrem Leben „Sind“ sie und gehen ihren Interessen nach, in diesem Sinne glaube ich, dass das die beste Art der „Vorbereitung“ ist. Das wird irgendwann ganz natürlich und fliessend in eine „Erwachsenentätigkeit“, Lehre oder Studium übergehen.

 

Lagerwoche in Schelten 7. Juni 2010

Filed under: Aufwachsen,Uncategorized — Natürlich lernen @ 07:26
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Die vorletzte Woche verbrachten wir in einem ganz kleinen, idyllisch gelegenem Dörfchen, an der Grenze zur französisch-sprachigen Schweiz. Es war eine tolle Woche, in der wir alle in verschiedenster Hinsicht auch wieder viel dazulernen durften. Hier unser Bericht:

Homeschooler Lagerwoche in Schelten 2010

In der Woche vom 24. bis 28. Mai 2010 durften wir mit den Schülern im Lager- und Schulhaus von Schelten einige spannende Tage verbringen. Schelten ist eine ganz kleine Gemeinde an der Grenze zum Jura, sie zählt 48 Einwohner, davon 10 Schüler. Da das Lager relativ kurzfristig und spontan geplant wurde, waren auch wir ein sehr kleines Grüppchen von 5 Erwachsenen, 8 Kindern und einem Baby.

Am Pfingstmontag sind wir Nachmittags bei schönstem Wetter langsam eingetrudelt. Wir haben alle unsere Räume in Beschlag genommen und dann ein ziemlich spätes Abendessen genossen. Die Lehrerin, Frau Dorothee Odermatt, durften wir an diesem Abend schon kennenlernen.

Am Dienstag ging dann die Projektwoche so richtig los. Nach einer originellen Vorstellungsrunde und einer gemeinsamen Einstimmung, geleitet von Dorothee Odermatt, gingen wir nach draussen, um nach Moos zu suchen.  Wie riecht Moos? Wie fühlt es sich an? Wie viele Sorten finden wir? Wo finden wir es denn eigentlich? Und – wie ist denn das mit den Wurzeln? Auf alle diese Fragen versuchten wir Antworten zu finden. Natürlich wurde auch ausgiebig Moos gesammelt, um es später im Schulzimmer abzeichnen zu können.

Nach dem Mittagessen hatten die Schüler Sport und wir durften uns auch dazugesellen. Es wurde ein bunter Nachmittag mit Jonglieren, Turnen an der Reckstange, etwas Bodenturnen und zum Schluss sogar noch Schwimmen im eiskalten Wasser des Schwimmbeckens, das hier ebenfalls vorhanden ist.

Am Mittwoch machten wir uns am Morgen mit den Unter- sowie Mittelstufenschülern von Schelten auf eine Wanderung zu einem Bauernhof. Nachdem wir dort die jungen Kätzchen bewundert, die Esel gestreichelt und sogar auf einem Pferd gesessen haben, führte uns der Bauer Hansruedi Roth zu einer wunderschönen Orchideenwiese. Er konnte alle unsere Fragen kompetent beantworten. Leider war es dann auch schon fast wieder Mittagszeit, so dass die Scheltener Kinder sich auf den Heimweg begeben mussten. Wir durften in dieser prächtigen Umgebung unser Picknick geniessen.

Gegen Abend nahmen sich Magdalena, Alexander und Gianna Zeit um unsere Kinder auf Pferd und Pony herumzuführen. Für einige Kinder war das wohl ein Höhepunkt der Woche.

Am Donnerstag wollte Olivier Muff mit den grösseren Kindern zum Klettern an eine geeignete Felswand gehen. Leider spielte das Wetter nicht mehr so gut mit und darum haben wir nach einer Einstimmung alle zusammen im Gemeinschaftsraum zunächst ein paar Knoten geübt. Als es doch noch ein bisschen trockener wurde, konnten wir nach draussen zu einem nahen kleinen Felsen und die Grösseren konnten dort, unter den bewundernden Blicken der Kleineren, einmal ausprobieren hochzuklettern. Ein tolles Erlebnis!

Nach dem Mittagessen haben Olivier und seine Kinder, die Scheltener Kinder zu einer spannenden Englischstunde angeleitet. In verschiedenen Spielen konnte jeder seine Englischkenntnisse praktisch anwenden. Danach folgten noch Sport und Musik, wo wir uns auch anschliessen durften.

Am Freitag hat Frau Odermatt als Abschluss einen schönen und lustigen Spielmorgen vorbereitet. Dabei konnte man erkennen, dass sich in diesen Tagen schon eine schöne Gemeinschaft zu bilden begonnen hat. Es war schön zu sehen, wie die Kinder aufeinander Rücksicht genommen haben und die Grösseren auch mal freiwillig und unauffällig den Kleineren den Vorrang liessen.

Am Samstag hiess es dann schon wieder packen und putzen, gegen Mittag haben wir uns – mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck – auf den Heimweg gemacht.

 

Liebe Mami, hier ist endlich meine Antwort 22. Mai 2010

Dieses Mail habe ich von meiner Mutter bekommen, als Reaktion und Feedback zu unserer Webseite im Allgemeinen und dem Artikel „Natürliche Autorität“ im Speziellen. Da ich denke, dass viele Leute ähnliche Bedenken oder Einwände haben, habe ich es hier einfach kopiert und versuche so gut ich kann, Stellung zu den einzelnen Punkten zu beziehen (in Farbe).

…………………

Liebe Helene,

Also, zuerst muss ich ja schon mal sagen, dass ich eigentlich mehr Positives an der Sache sehe, als Negatives.

Was ich z.B. nicht versteh ist folgendes, das mit der Autoritaet, toent ja eigentlich schon gut, wenn alle Leute so denken wuerden.  Also das mit selbst die Autoritaetsperson aussuchen… das hoert doch spaetestens in der Lehre auf.. Wie koennen sich die Kinder dann, ploetzlich auf die neue Situation umstellen… Dort muesste dann gelernt werden,was sich andere Leute aussuchen…

Magst ja vielleicht schon recht haben, ist recht theoretisch und scheitert vielleicht ja schon daran, dass eben nicht alle Leute so denken. Aber ich wollte ja auch nur aufzeigen, dass vieles im Umgang mit Kindern meiner Meinung nach viel einfacher gehen könnte und warum und unter welchen Bedingungen Kinder eigentlich gerne gehorchen.

Und wirklich? Ich dachte immer, dass es dann erst langsam anfängt, immerhin haben die meisten Schüler mit der Lehre das erste Mal die Möglichkeit, dass zu lernen was sie sich selber ausgesucht haben. Zumindest wenn die Noten genügten um sich die Lehrstelle, die man wollte, zu ergattern – und wenn man überhaupt noch/schon weiss was man will…

Ausserdem hat man dann einen Lehrmeister, der genau das kann, was man selber lernen will. Hoffentlich mag er seine Arbeit auch, oder ist wenigstens noch ein bisschen stolz darauf – und kann den Funken weiterspringen lassen.

Wenn das Kind studieren will, denke ich, gilt in etwa dasselbe. Da es das Kind ist das einen Berufswunsch hat, wird es auch den Inhalt der weniger tollen Fächer erlernen. Ich gehe also davon aus, dass sie bis dahin selbstständig genug sind, sich dahinterzuklemmen, um zu lernen was sie können wollen – speziell da sie das ja schon ihr ganzes Leben lang so gemacht haben. Insofern denke ich also, dass diese Freiheit auch hier eher als Vorteil angesehen werden kann.

Und wie saehe es dann am Arbeitsplatz aus…. Ich denke halt einfach, dass das furchtbar schwierig werden wird.

Etwa gleich wie in der Lehre, wenn es seine Lebenszeit schon immer in der „realen Welt“ mit all ihren Problemen und Herausforderungen verbracht hat, bringt das später am Arbeitsplatz viel weniger Änderungen als man denkt, davon bin ich überzeugt. Und vielleicht ist ja auch gar nicht so schlecht, dass, wenn man mal wirklich einfach einen A… als Chef hat, dass man dann auch den Mut haben kann „Tschüss“ zu sagen und sich nicht jahrelang quält?

Und noch was, ich denk auch, dass in einer normalen Schule, wegen der Groesse, den vielen Kindern, dass ist eine Erfahrung die sie ja auch nicht haben.

Hhmm, ja, fragt sich nur, in wieweit sie diese Erfahrungen überhaupt benötigen. Ich verweise da sehr gerne auf einen Artikel von Angela Weiss, den ich auch auf meine Webseite geladen habe, der unterstützt meine Meinung (oder umgekehrt) sehr gut: http://natuerlichlernen.npage.ch/ohne_bindung_keine_heile_kinderwelt_80654134.html

Mit Kindern umzugehen, die sie nicht moegen,oder umgekehrt.

Auch das lernen sie, in Vereinen, Veranstaltungen, auf dem Spielplatz und was weiss ich noch wo – vielleicht liegt der grösste Unterschied zu den Schulkindern einfach darin, dass sie auch mal gehen können, wenn sie wollen. Und ich sehe nicht, was daran schlecht sein soll, wir Erwachsenen suchen uns unsere Bekanntschaften auch selber aus.

Dass sind doch Erfahrungen, die sie nicht machen koennen. Sicher ists nicht immer schoen, sich mit Kindern auseinander zu setzen, die man nicht mag, oder so,

Da muss ich nun doch widersprechen: unsere Kinder setzen sich sehr viel mit anderen Kindern und Erwachsenen auseinander. Das Leben findet statt, sozusagen, und dazu gehört auch die ständige Interaktion mit der Umwelt und den Menschen die darin leben.

aber dass ist doch nachher im Leben auch so…

Hier sagst du gerade etwas sehr bedeutsames für mich, dieses typische Argument, dass mit dem „nachher im Leben“. Schüler sollen für „nachher“ Lernen, Kinder leben aber JETZT. Und im hier und jetzt, ganz natürlich, kommen sie ständig in die verschiedensten Situationen und lernen daraus. Was könnte es für eine bessere Vorbereitung geben?  Dafür muss ich sie nicht an einen speziellen Ort schicken, an dem sie jetzt ihr Leben absitzen, um für später gewappnet zu sein.

Und nicht nur der Umgang, manchmal in der Freizeit, mit anderen Kindern, sondern eben, dieser taegliche, stundenlange Umgang halt. Deine Schule ist doch ziemlich klein, mit wenig Kindern, ich denk, da wird ihnen diese Erfahrung fehlen.

Ja, es ist nicht zu bestreiten dass sie andere Erfahrungen machen und somit später auch haben, als Schulkinder. Schlussendlich kann man nicht alle Erfahrungen machen, das liegt in der Natur der Sache. Erlebt man das Eine verpasst man das Andere. Gehen sie nicht zur Schule, verpassen sie gewisse Dinge die sicher spannend, schön oder nützlich wären – dafür gewinnen sie aber auch viel anderes. Z.B. massenweise Zeit über die sie selber verfügen können. Zeit in der sie andere Erfahrungen machen können, die sie nicht könnten, wenn sie in der Schule wären. Z.B. Stunden und Stunden intensivsten Spielens, was ihnen viel Spass macht und nebst vielem anderen z.B. auch die Sozialkompetenz fördert. (Die Forschung ist gerade am Entdecken, wie wichtig Spielen für die Entwicklung der verschiedensten Fähigkeiten der Kinder ist) Oder Zeit, den Sachen nachgehen zu können, die sie wirklich interessieren – was übrigens Hand in Hand mit dem Spielen geht und nicht wirklich voneinander zu trennen ist.

Super positiv denk ich, ist ihre jetzige Entwicklung, wie ich das von hier aus beurteilen kann, was ich super finde !! Nur eben, es gibt Sachen, die ihnen fehlen werden, denk ich….

Du, ich bin vor dem Compi am verlaufen, vorgestern wars in Merida ueber 50 Grad heiss…. Und heut wars auch nicht kalt, ist immer noch schlimm heiss, obwohl es nun fast 10 Uhr abends ist, machen wir morgen weiter…..

Kannst uns gerne ein paar Grad schicken – wir könnten sie hier gut gebrauchen 😉

ganz liebe Gruesse an alle, deine mami

Ganz liebe Grüsse auch an euch alle

Helene

 

Über die Natur des Lernens – wie ich es verstehe 12. Mai 2010


Im Eintrag „Kuschelpädagogik versus alte Schule“ habe ich auch noch folgende 3 Behauptungen aufgestellt:

  • Kinder wollen lernen, aber dann wenn die Zeit reif ist für sie etwas zu verstehen, nicht dann, wenn es in irgendeinem Lehrplan steht.
  • Kinder wollen von jemandem lernen, dann wenn sie sehen, dass dieser Mensch Kompetenzen hat, die sie sich auch gerne aneignen würden.
  • Kinder wollen selber aktiv sein, dann, wenn das Aktivsein sich in einer Balance mit dem Passivsein (Entspannung) befinden kann.

Ja, für mich ist es ganz klar, dass Kinder gerne Lernen. Dass man das Wissen nicht in sie hinein stopfen muss, dass das im Gegenteil kontraproduktiv ist. Das eigentlich jedes Kind auch Sachen die von den meisten Erwachsenen gemeinhin als langweilig betrachtet werden, wie z.B. das 1×1, in Rekordzeit erlernen kann und auch wird, wenn es selber über Zeitpunkt sowie die Art des Lernens bestimmen kann. Und zwar auch ganz ohne dass alles auf dem Silbertablett serviert wird, sondern einfach weil es neugierig auf das Leben ist, uns imitieren will und eigentlich gar nicht anders kann, als dauernd zu lernen. Die Frage ist vielleicht nur die, was genau es denn nun lernt…

Und ja, ich gebe es zu, zum Teil hab ich mir diese Ideen erlesen – zum grösseren Teil aber sind das aber auch einfach meine Beobachtungen. So habe ich im Moment das Glück, nochmals ein Baby beobachten zu dürfen und nehme vieles auch anders als früher wahr. Das was vielfach als „Babyspiel“ verniedlicht wird (und es ist ja zweifelsohne auch sehr herzig), ist in Wirklichkeit eine ganz ernste Sache – sozusagen Lernen in  seiner Urform, 100% Konzentration. Nicht umsonst redete Maria Montessori vom „Absorbent Mind“.

Amber am "Einfangen" eines Corn Flakes

Nach und nach wachsen Kinder, aber dieses tiefe Interesse an der Welt kann erhalten bleiben! Nämlich dann, wenn man auch später den inneren Lernplan (ich nenne den absichtlich Lernplan und nicht Lehrplan, weil es ja der Plan im lernenden Kind ist, nicht meiner, was ich ihm lehren will) eines Kindes sich entfalten lässt. Eines kommt nach dem Anderen, alles in seinem Rhythmus. Genau dann, wenn ein Kind bereit ist etwas zu lernen, zeigt es auch ein starkes Interesse auf diesem Gebiet und kann es (scheinbar) leicht und mühelos aufsaugen.

Es passiert mir immer wieder, dass ich irgend eine gute Idee habe, was super Interessantes oder wahnsinnig Wichtiges – ich aber leider die Einzige bin, die das so sieht. Dann versuche ich meine Idee mehr oder weniger erfolglos an den Mann, resp. an meine Kinder zu bringen, nur um nach einer Weile festzustellen, dass es für sie im Moment nicht nur unwichtig ist und es darum fast nicht in den Kopf passt, sondern, dass ich meine Zeit auch ziemlich verschwende und vor allem, dass ich überhaupt nicht mitbekommen habe, was denn nun wirklich angesagt gewesen wäre. Wichtig in diesem Moment für die Kinder. Ich hätte meine Zeit viel gewinnbringender dort investiert. Wir hätten es schöner gehabt miteinander, gelernt hätten sie genauso was – einfach nachhaltiger und das Erfolgserlebnis wäre auf beiden Seiten sicher auch grösser gewesen…

Ebenfalls ist es meiner Meinung nach wichtig zu beachten, dass das Leben verschiedene Rhythmen hat. Nebst z.B. dem Wachen-Schlafen-Rhythmus gibt es auch einen Lern-Rhythmus. Ich hab mich früher immer gewundert, warum ich es einfach nicht schaffe, über längere Zeit täglich etwas zu lernen was ich lernen wollte, z.B. Sprachen. Ich hab da immer eine Weile ganz fleissig geübt und dann ein paar Wochen lang gar nichts mehr gemacht, um danach wieder mit schlechtem Gewissen, aber voll motiviert weiterzumachen. Unterdessen glaube ich zu wissen, dass das nicht einfach nur Faulheit war, sondern halt eben mein Rhythmus. Auch beim Lernen muss man etwas zuerst etwas aufnehmen und danach braucht man Zeit um es zu „verdauen“. Für mich als Mutter kann es manchmal ganz schön schwierig sein, in so einer Verdauungsphase ruhig zu bleiben und nicht ein PPS (Parental Panik Attack) zu bekommen.Wenn es mir aber gelingt abzuwarten, durfte ich immer wieder die Erfahrung machen, dass sich das lohnte. Nach einer ruhigen Phase kommt dann wieder eine intensive Lernphase und beide gehören zusammen und ergänzen einander.