NATÜRLICH LERNEN

Leben und Lernen einer Homeschooling Familie

Im Wald 21. April 2010

Gestern durften wir einen sozusagen perfekten Nachmittag erleben. Leia hat letzte Woche ein neues Velo (so neu ist das nun auch wieder nicht, nur für uns) bekommen und so haben wir heute beschlossen, es mal richtig auszuprobieren. Sie ist zwar vorher schon mal damit gefahren, aber nur so ca. 50 m hin und her auf der Strasse vor unserem Haus.

Eine der schwierigsten Fragen ist wohl immer die, wohin man denn eigentlich gehen soll. Da habe ich, zum Vereinfachen der Diskussion, eine kleine Karte herausgenommen. Und auf dieser Karte haben wir, im Wald nahe von uns, einen kleinen blauen Fleck entdeckt. Ich muss zugeben, dass wir noch nie bei diesem blauen Fleck waren und so wollten wir herausfinden, was für ein Tümpel sich denn dort befinde. Mit einem kleinen Zvieri, der Karte und der Fotokamera bewaffnet, machten wir uns auf den Weg.  Yana hatte wie üblich noch einen Rucksack vollgestopft mit allerlei Sachen für den „Notfall“ dabei, diesmal waren es, unter anderem, ein Stoffhund namens Moritz und ein Buch. Ebenfalls wie üblich, hat sie dann doch nichts davon gebraucht.

Also, wir machten uns auf den Weg, Leia mit ihrem neuen Velo, Yana noch mit ihrem Alten, Amber im Veloanhänger und ich mit dem Veloanhänger. Auf der Strasse zum Wald ging es noch recht lebhaft und laut zu und her. Aber wir waren noch keine 2 Minuten im Wald, da wurde es auffallend ruhig – ein angenehmes Ruhig. Leia meinte dann auch, es sei immer sooo schön im Wald und ich konnte ihr nur zustimmen. Die Stimmung war wie verzaubert, ich glaube wir hatten alle das Gefühl, dass wir durch einen Märchenwald fuhren. Die Bäume beginnen wieder grün zu werden, der Waldboden ist es schon, und die Sonne hat wunderschön durch das alles gestrahlt und spannende Schatten geworfen. Alles scheint irgendwie wieder jung oder neu zu sein und vor allem voller Leben. Wir konnten richtig fühlen, dass wir mittendrin waren, war einfach schön.

Es ging gar nicht lange, da hatten wir das blaue Fleckchen der Landkarte schon erreicht. Es stellte sich heraus, dass es wirklich ein kleiner Teich war, es hatte eine kleine Tafel auf welcher „Amphibienschutzzone“ stand und sonst nicht viel. Ich wollte eigentlich wieder weiter, aber die Kinder wollten unbedingt ihren Zvieri hier essen. Dann halt, warum eigentlich nicht? Also setzten wir uns auf den Kiesboden und packten aus. Wir haben den ganzen Nachmittag dort verbracht, und viel Spannendes entdeckt. Angefangen hat es damit, dass Leia sehen wollte, wie eine Ameisenstrasse entsteht, zu diesem Zweck hat sie ein halbes Darvida zerkrümelt und sorgfältig auf den Boden gelegt. Eine grosse Strasse konnte sie so zwar nicht erstellen, aber wir konnten doch einige Ameisen beim Abtransportieren von für sie riesigen Stücken beobachten. Es gab noch vieles mehr zu beobachten, unter anderem haben sie viele Kaulquappen entdeckt, Schmetterlinge versucht zu fotografieren, einen Molch und eine Hornisse beobachtet und sich Gedanken darüber gemacht, was das Grüne auf dem Wasser sei.

Bald war der Nachmittag vorbei und ich musste die Beiden schon wieder überreden heimzufahren. Die Einzige, die wohl eher froh war, wieder wegzufahren war Amber. Sie war manchmal etwas frustriert, wenn ich ihre Art der Forschung nicht immer ganz unterstützen konnte. So findet sie es etwa gar nicht lustig, wenn ich sie die Schnecke die am Boden liegt, nicht probieren und schmecken lasse…

Oft haben wir so viel Programm und Dinge zu tun, dabei liegt das Gute so nah. Wie schön doch ein ganz einfacher Nachmittag im Wald sein kann. Ich glaube wir werden bald wieder dorthin gehen – wir müssen doch sehen was aus den Kaulquappen wird 🙂

 

Ein ganz normaler Tag 6. April 2010

Hab schon mit Müttern gesprochen, die froh sind, wenn die Ferien wieder vorbei sind, weil sie gar nicht wissen, was sie mit den Kindern noch machen sollen. Und weil es den Kindern oft langweilig ist. Irgendwie kann ich das nicht ganz nachvollziehen. Bei uns ist eigentlich nie jemandem langweilig. Und das ganz ohne spezielles Programm. Im Gegenteil, oft bleibt nicht mal genug Zeit, um alle Vorhaben umzusetzen. Ausserdem ist dann da noch die Sache mit dem Lernen. „Ja, und wie lernen denn deine Kinder? Lernen die wirklich alles, was sie können müssen?“ Dazu kann ich nur sagen: „Im Moment – ja.“

Zum Beispiel gestern:

Noch vor dem Frühstück hat Leia ein in einem Kindersachbuch über Katzen weitergelesen. Nach dem „Zmorge“ hat sie dann an ihrer Geschichte am PC weiter geschrieben. Es ist gerade eine Geschichte über ein Zebra in einem Zoo am entstehen. Vor dem Mittagessen, als die Sonne kam, sind dann beide noch für ca. eine halbe Stunde in den Garten gegangen. Dort haben sie die Bienen an den Blumen beobachtet und Leia hatte ein Papier dabei, wo sie dann die eine oder andere Beobachtung aufgeschrieben hat. So steht dort z.B. etwa: „Bienen sind sehr wählerisch. Sie fliegen von einer Blume zur anderen, bis sie eine Blume finden die ihnen gefällt.“ Oder der Titel eines anderen Kapitels heisst: „Bienen und Blumen die hängen“.

Nach dem Mittagessen besuchte Leia ihre Klavierstunde. Anschliessend gingen dann beide wieder nach draussen, diesmal um Rollenspiele zu spielen. Sie waren Leoparden, wahrscheinlich inspiriert von einem Buch über Leoparden, welches wir am Tag zuvor zusammen gelesen hatten. Am Abend ging Yana dann ins Turnen, Leia hat diese Zeit daheim genutzt, um an ihrer Geschichte weiterzuschreiben.

Ungefähr so liesse sich das weitererzählen, schliesst sich ein Tag an dem anderen an. Es scheint mir, die Kinder hätten glatt nicht mal Zeit in die Schule zu gehen, vor lauter Lernen…

Woran kann es liegen, dass es manchen Kindern so schnell langweilig wird?