NATÜRLICH LERNEN

Leben und Lernen einer Homeschooling Familie

Wo liegen die Prioritäten? 1. Juli 2010

Obwohl wir eigentlich deutlich spüren, dass, wie wir unsere Kinder aufziehen, für uns der richtige Weg ist, schleicht sich da manchmal ein kleines Teufelchen in meinen Kopf und stellt Fragen wie: „Werden wir unseren Kindern mit dieser Art der Erziehung gerecht? Was brauchen sie später? Was sind denn überhaupt wichtige Fähigkeiten in 15 oder 20 Jahren?“

In der Schule wird, vor allem in den ersten Jahren, sehr viel Gewicht auf Lesen, Schreiben und Mathematik gelegt. Auf den ersten Blick ist das ja auch einleuchtend, es ist ja irgendwie sowas wie ein Fundament, und darauf kann man aufbauen. Auf die andere Seite sind diese Fähigkeiten eben auch einfach Werkzeuge, die man im täglichen Leben brauchen kann. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber gibt es nicht wichtigeres zum Lernen? Eigentlich dünkt es mich, dass andere Fähigkeiten wie z.B. Teamfähigkeit, Flexibilität, Neugierde, Enthusiasmus, Toleranz eigentlich wichtiger sind als pure Wissensanhäufung. Und trotzdem spielen solche Fähigkeiten in der Schule, obwohl sie durchaus auch berücksichtigt werden, eher eine Randrolle. Was ja auch verständlich ist – wie soll ein Lehrer alle diese Fähigkeiten in den Schulstunden zum Leben erwecken? Geht doch gar nicht! Hier sind vor allem die Eltern gefragt, ob das gefällt oder nicht. Die Aufgabe der Schule reduziert sich darum vielleicht automatisch mehr auf messbare Inhalte, eben Mathe und so. Früher, als Buchstaben und Zahlen im Leben vieler noch weniger präsent waren, denke ich, war es sicher eine gute Idee, Kinder zu sammeln und ihnen in Gruppen mit einer Lehrperson diese Welt zu eröffnen. Inzwischen sind Buchstaben und Zahlen so omnipräsent, dass ein Kind fast gar nicht anders kann, als früher oder später Rechnen, Lesen und Schreiben zu lernen.

Darum wundere ich mich ob es sich überhaupt lohnt, soviel Gewicht auf Lesen, Schreiben und Rechnen zu legen. In der Schule sind das die Hauptthemen, und auch wir sind ein bisschen angesteckt davon, aber vielleicht wird das überbewertet, diese Grundtechniken lernen sie sowieso, fast wie nebenbei, weil es eigentlich gar nicht anders geht.

Aber – wenn nicht  Buchstaben und Rechnen das Hauptthema sind, was ist es dann, was Kinder üben sollen/müssen? Oder besser gesagt, was brauchen sie für Fähigkeiten wenn sie mal gross sind? Wo stehen wir dann? Was ist gefragt? Es gibt so unendlich viele Gebiete auf denen man fast unendlich viel wissen kann – und immer schneller ändert sich dieses Wissen zum Teil auch – kann es sein, dass man mit Fakten lernen gar nicht anders kann, als hinterher zu hinken? Wieviel ist trotzdem wichtig? Was ist denn überhaupt gutes Allgemeinwissen, in dieser Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint? Das sind Fragen die ich mir immer wieder stelle. Irgendwie scheint mir, dass Eigenschaften wie Wissenshunger, Engagement, Enthusiasmus, gute Selbsteinschätzung oder Soziale Kompetenzen wichtiger sind als angehäuftes (und vielleicht schon veraltetes) Wissen. Fähigkeiten wie „an etwas dranzubleiben“, oder „etwas genau verstehen zu wollen“, sind vielleicht wichtiger als einfach pures Sachwissen…

Aber wie kann man denn diese Eigenschaften am Besten fördern? Wohl damit indem man Kindern die Möglichkeit gibt, diese Fähigkeiten oft zu trainieren. Mir scheint, dass ein Kind welches selbstbestimmt seinen täglichen Aktivitäten nachgehen kann, das nicht dauernd unterbrochen wird, wenn es in etwas vertieft ist, das dann etwas erklärt bekommt wann es das auch wissen will, das genug Zeit hat um seine Stärken herauszubilden, mehr Chancen hat solche Eigenschaften zu üben.

Und dann wieder, eigentlich leben wir immer JETZT, die Kindheit ist darum keine „Vorbereitungsphase“ sondern ein Teil des Lebens. Vielleicht ist darum die beste Vorbereitung das was wir schon tun: LEBEN. An jedem Tag in ihrem Leben „Sind“ sie und gehen ihren Interessen nach, in diesem Sinne glaube ich, dass das die beste Art der „Vorbereitung“ ist. Das wird irgendwann ganz natürlich und fliessend in eine „Erwachsenentätigkeit“, Lehre oder Studium übergehen.

 

Nochmals über Bienen 8. Juni 2010

Gestern gingen wir auf unseren Dachstock, dort haben wir einige Spiele, von denen wir eines aussuchen und spielen wollten. Soweit ist es aber gar nie gekommen…

Da lag nämlich auf dem Weg eine tote Biene. (Mir ist dann auch klargeworden, warum sich unsere Katze am Morgen mal so seltsam benommen hat, sie hat Geräusche gemacht wie Husten, ihren Mund zu putzen versucht und dabei reklamiert…)  Sofort haben beide eine Lupe geholt und die Biene genau untersucht. Dabei haben sie so allerlei Erkenntnisse gewonnen, zum Beispiel: „Die runden Kreise am Hinterleib der Biene sind ja unten gar nicht rund, sondern so spitzig.“ „Die hat ja fast überall ganz viele Haare.“ Oder:  „Die Fühler sind ja mega lang.“ Bald tauchte die Frage auf, wie gross diese Biene denn eigentlich sei, darum wurde sie dann ausgiebig vermessen. Beide, Leia und Yana waren dabei so interessiert an den Resultaten, dass ich ihnen vorschlug, es doch in einem Heft aufzuschreiben. Dieser Vorschlag wurde von beiden freudig aufgenommen, hier Yana’s Notizen:

Für alle die mit „Kindergärtlerhandschrift“ nicht so vertraut sind, hier die Übersetzung:

Biene

  • Länge: 1cm
  • Breite mit Flügel: 2 cm
  • Breite ohne Flügel: 6mm
  • Flügellänge: 7mm
 

Liebe Mami, hier ist endlich meine Antwort 22. Mai 2010

Dieses Mail habe ich von meiner Mutter bekommen, als Reaktion und Feedback zu unserer Webseite im Allgemeinen und dem Artikel „Natürliche Autorität“ im Speziellen. Da ich denke, dass viele Leute ähnliche Bedenken oder Einwände haben, habe ich es hier einfach kopiert und versuche so gut ich kann, Stellung zu den einzelnen Punkten zu beziehen (in Farbe).

…………………

Liebe Helene,

Also, zuerst muss ich ja schon mal sagen, dass ich eigentlich mehr Positives an der Sache sehe, als Negatives.

Was ich z.B. nicht versteh ist folgendes, das mit der Autoritaet, toent ja eigentlich schon gut, wenn alle Leute so denken wuerden.  Also das mit selbst die Autoritaetsperson aussuchen… das hoert doch spaetestens in der Lehre auf.. Wie koennen sich die Kinder dann, ploetzlich auf die neue Situation umstellen… Dort muesste dann gelernt werden,was sich andere Leute aussuchen…

Magst ja vielleicht schon recht haben, ist recht theoretisch und scheitert vielleicht ja schon daran, dass eben nicht alle Leute so denken. Aber ich wollte ja auch nur aufzeigen, dass vieles im Umgang mit Kindern meiner Meinung nach viel einfacher gehen könnte und warum und unter welchen Bedingungen Kinder eigentlich gerne gehorchen.

Und wirklich? Ich dachte immer, dass es dann erst langsam anfängt, immerhin haben die meisten Schüler mit der Lehre das erste Mal die Möglichkeit, dass zu lernen was sie sich selber ausgesucht haben. Zumindest wenn die Noten genügten um sich die Lehrstelle, die man wollte, zu ergattern – und wenn man überhaupt noch/schon weiss was man will…

Ausserdem hat man dann einen Lehrmeister, der genau das kann, was man selber lernen will. Hoffentlich mag er seine Arbeit auch, oder ist wenigstens noch ein bisschen stolz darauf – und kann den Funken weiterspringen lassen.

Wenn das Kind studieren will, denke ich, gilt in etwa dasselbe. Da es das Kind ist das einen Berufswunsch hat, wird es auch den Inhalt der weniger tollen Fächer erlernen. Ich gehe also davon aus, dass sie bis dahin selbstständig genug sind, sich dahinterzuklemmen, um zu lernen was sie können wollen – speziell da sie das ja schon ihr ganzes Leben lang so gemacht haben. Insofern denke ich also, dass diese Freiheit auch hier eher als Vorteil angesehen werden kann.

Und wie saehe es dann am Arbeitsplatz aus…. Ich denke halt einfach, dass das furchtbar schwierig werden wird.

Etwa gleich wie in der Lehre, wenn es seine Lebenszeit schon immer in der „realen Welt“ mit all ihren Problemen und Herausforderungen verbracht hat, bringt das später am Arbeitsplatz viel weniger Änderungen als man denkt, davon bin ich überzeugt. Und vielleicht ist ja auch gar nicht so schlecht, dass, wenn man mal wirklich einfach einen A… als Chef hat, dass man dann auch den Mut haben kann „Tschüss“ zu sagen und sich nicht jahrelang quält?

Und noch was, ich denk auch, dass in einer normalen Schule, wegen der Groesse, den vielen Kindern, dass ist eine Erfahrung die sie ja auch nicht haben.

Hhmm, ja, fragt sich nur, in wieweit sie diese Erfahrungen überhaupt benötigen. Ich verweise da sehr gerne auf einen Artikel von Angela Weiss, den ich auch auf meine Webseite geladen habe, der unterstützt meine Meinung (oder umgekehrt) sehr gut: http://natuerlichlernen.npage.ch/ohne_bindung_keine_heile_kinderwelt_80654134.html

Mit Kindern umzugehen, die sie nicht moegen,oder umgekehrt.

Auch das lernen sie, in Vereinen, Veranstaltungen, auf dem Spielplatz und was weiss ich noch wo – vielleicht liegt der grösste Unterschied zu den Schulkindern einfach darin, dass sie auch mal gehen können, wenn sie wollen. Und ich sehe nicht, was daran schlecht sein soll, wir Erwachsenen suchen uns unsere Bekanntschaften auch selber aus.

Dass sind doch Erfahrungen, die sie nicht machen koennen. Sicher ists nicht immer schoen, sich mit Kindern auseinander zu setzen, die man nicht mag, oder so,

Da muss ich nun doch widersprechen: unsere Kinder setzen sich sehr viel mit anderen Kindern und Erwachsenen auseinander. Das Leben findet statt, sozusagen, und dazu gehört auch die ständige Interaktion mit der Umwelt und den Menschen die darin leben.

aber dass ist doch nachher im Leben auch so…

Hier sagst du gerade etwas sehr bedeutsames für mich, dieses typische Argument, dass mit dem „nachher im Leben“. Schüler sollen für „nachher“ Lernen, Kinder leben aber JETZT. Und im hier und jetzt, ganz natürlich, kommen sie ständig in die verschiedensten Situationen und lernen daraus. Was könnte es für eine bessere Vorbereitung geben?  Dafür muss ich sie nicht an einen speziellen Ort schicken, an dem sie jetzt ihr Leben absitzen, um für später gewappnet zu sein.

Und nicht nur der Umgang, manchmal in der Freizeit, mit anderen Kindern, sondern eben, dieser taegliche, stundenlange Umgang halt. Deine Schule ist doch ziemlich klein, mit wenig Kindern, ich denk, da wird ihnen diese Erfahrung fehlen.

Ja, es ist nicht zu bestreiten dass sie andere Erfahrungen machen und somit später auch haben, als Schulkinder. Schlussendlich kann man nicht alle Erfahrungen machen, das liegt in der Natur der Sache. Erlebt man das Eine verpasst man das Andere. Gehen sie nicht zur Schule, verpassen sie gewisse Dinge die sicher spannend, schön oder nützlich wären – dafür gewinnen sie aber auch viel anderes. Z.B. massenweise Zeit über die sie selber verfügen können. Zeit in der sie andere Erfahrungen machen können, die sie nicht könnten, wenn sie in der Schule wären. Z.B. Stunden und Stunden intensivsten Spielens, was ihnen viel Spass macht und nebst vielem anderen z.B. auch die Sozialkompetenz fördert. (Die Forschung ist gerade am Entdecken, wie wichtig Spielen für die Entwicklung der verschiedensten Fähigkeiten der Kinder ist) Oder Zeit, den Sachen nachgehen zu können, die sie wirklich interessieren – was übrigens Hand in Hand mit dem Spielen geht und nicht wirklich voneinander zu trennen ist.

Super positiv denk ich, ist ihre jetzige Entwicklung, wie ich das von hier aus beurteilen kann, was ich super finde !! Nur eben, es gibt Sachen, die ihnen fehlen werden, denk ich….

Du, ich bin vor dem Compi am verlaufen, vorgestern wars in Merida ueber 50 Grad heiss…. Und heut wars auch nicht kalt, ist immer noch schlimm heiss, obwohl es nun fast 10 Uhr abends ist, machen wir morgen weiter…..

Kannst uns gerne ein paar Grad schicken – wir könnten sie hier gut gebrauchen 😉

ganz liebe Gruesse an alle, deine mami

Ganz liebe Grüsse auch an euch alle

Helene

 

Gutenacht-Geschichte 14. Mai 2010

Filed under: Aufwachsen,Uncategorized — Natürlich lernen @ 08:10
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Jetzt ist es also geschehen. Das was ich erst in ein paar Jahren erwartet hätte. Nämlich, dass unsere liebe älteste Tochter lieber alleine mit ihrem eigenen Buch in einem anderen Raum liegt, während ich die Gutenacht-Geschichte vorlese. Gut, ich wusste ja, dass das nicht für immer ein Renner bleiben würde, dass es aber so schnell geht – das hätte ich ehrlich nicht gedacht.

Da liege ich also mit dem einen verbleibenden Kind, lese vor und versuche, nicht nostalgisch zu werden…

Ich meine, ich freue mich ja schon, dass sie anscheinend das Lesen für sich entdeckt hat. Aber muss es denn unbedingt gerade am Abend im Bett sein?

Als Trost bleibt mir die Tatsache, dass dieser Zustand auch wieder ändern kann, nämlich dann, wenn wir das nächste Buch anfangen, auf welches sie sich jetzt schon freut.

 

Über die Natur des Lernens – wie ich es verstehe 12. Mai 2010


Im Eintrag „Kuschelpädagogik versus alte Schule“ habe ich auch noch folgende 3 Behauptungen aufgestellt:

  • Kinder wollen lernen, aber dann wenn die Zeit reif ist für sie etwas zu verstehen, nicht dann, wenn es in irgendeinem Lehrplan steht.
  • Kinder wollen von jemandem lernen, dann wenn sie sehen, dass dieser Mensch Kompetenzen hat, die sie sich auch gerne aneignen würden.
  • Kinder wollen selber aktiv sein, dann, wenn das Aktivsein sich in einer Balance mit dem Passivsein (Entspannung) befinden kann.

Ja, für mich ist es ganz klar, dass Kinder gerne Lernen. Dass man das Wissen nicht in sie hinein stopfen muss, dass das im Gegenteil kontraproduktiv ist. Das eigentlich jedes Kind auch Sachen die von den meisten Erwachsenen gemeinhin als langweilig betrachtet werden, wie z.B. das 1×1, in Rekordzeit erlernen kann und auch wird, wenn es selber über Zeitpunkt sowie die Art des Lernens bestimmen kann. Und zwar auch ganz ohne dass alles auf dem Silbertablett serviert wird, sondern einfach weil es neugierig auf das Leben ist, uns imitieren will und eigentlich gar nicht anders kann, als dauernd zu lernen. Die Frage ist vielleicht nur die, was genau es denn nun lernt…

Und ja, ich gebe es zu, zum Teil hab ich mir diese Ideen erlesen – zum grösseren Teil aber sind das aber auch einfach meine Beobachtungen. So habe ich im Moment das Glück, nochmals ein Baby beobachten zu dürfen und nehme vieles auch anders als früher wahr. Das was vielfach als „Babyspiel“ verniedlicht wird (und es ist ja zweifelsohne auch sehr herzig), ist in Wirklichkeit eine ganz ernste Sache – sozusagen Lernen in  seiner Urform, 100% Konzentration. Nicht umsonst redete Maria Montessori vom „Absorbent Mind“.

Amber am "Einfangen" eines Corn Flakes

Nach und nach wachsen Kinder, aber dieses tiefe Interesse an der Welt kann erhalten bleiben! Nämlich dann, wenn man auch später den inneren Lernplan (ich nenne den absichtlich Lernplan und nicht Lehrplan, weil es ja der Plan im lernenden Kind ist, nicht meiner, was ich ihm lehren will) eines Kindes sich entfalten lässt. Eines kommt nach dem Anderen, alles in seinem Rhythmus. Genau dann, wenn ein Kind bereit ist etwas zu lernen, zeigt es auch ein starkes Interesse auf diesem Gebiet und kann es (scheinbar) leicht und mühelos aufsaugen.

Es passiert mir immer wieder, dass ich irgend eine gute Idee habe, was super Interessantes oder wahnsinnig Wichtiges – ich aber leider die Einzige bin, die das so sieht. Dann versuche ich meine Idee mehr oder weniger erfolglos an den Mann, resp. an meine Kinder zu bringen, nur um nach einer Weile festzustellen, dass es für sie im Moment nicht nur unwichtig ist und es darum fast nicht in den Kopf passt, sondern, dass ich meine Zeit auch ziemlich verschwende und vor allem, dass ich überhaupt nicht mitbekommen habe, was denn nun wirklich angesagt gewesen wäre. Wichtig in diesem Moment für die Kinder. Ich hätte meine Zeit viel gewinnbringender dort investiert. Wir hätten es schöner gehabt miteinander, gelernt hätten sie genauso was – einfach nachhaltiger und das Erfolgserlebnis wäre auf beiden Seiten sicher auch grösser gewesen…

Ebenfalls ist es meiner Meinung nach wichtig zu beachten, dass das Leben verschiedene Rhythmen hat. Nebst z.B. dem Wachen-Schlafen-Rhythmus gibt es auch einen Lern-Rhythmus. Ich hab mich früher immer gewundert, warum ich es einfach nicht schaffe, über längere Zeit täglich etwas zu lernen was ich lernen wollte, z.B. Sprachen. Ich hab da immer eine Weile ganz fleissig geübt und dann ein paar Wochen lang gar nichts mehr gemacht, um danach wieder mit schlechtem Gewissen, aber voll motiviert weiterzumachen. Unterdessen glaube ich zu wissen, dass das nicht einfach nur Faulheit war, sondern halt eben mein Rhythmus. Auch beim Lernen muss man etwas zuerst etwas aufnehmen und danach braucht man Zeit um es zu „verdauen“. Für mich als Mutter kann es manchmal ganz schön schwierig sein, in so einer Verdauungsphase ruhig zu bleiben und nicht ein PPS (Parental Panik Attack) zu bekommen.Wenn es mir aber gelingt abzuwarten, durfte ich immer wieder die Erfahrung machen, dass sich das lohnte. Nach einer ruhigen Phase kommt dann wieder eine intensive Lernphase und beide gehören zusammen und ergänzen einander.

 

Im Wald 21. April 2010

Gestern durften wir einen sozusagen perfekten Nachmittag erleben. Leia hat letzte Woche ein neues Velo (so neu ist das nun auch wieder nicht, nur für uns) bekommen und so haben wir heute beschlossen, es mal richtig auszuprobieren. Sie ist zwar vorher schon mal damit gefahren, aber nur so ca. 50 m hin und her auf der Strasse vor unserem Haus.

Eine der schwierigsten Fragen ist wohl immer die, wohin man denn eigentlich gehen soll. Da habe ich, zum Vereinfachen der Diskussion, eine kleine Karte herausgenommen. Und auf dieser Karte haben wir, im Wald nahe von uns, einen kleinen blauen Fleck entdeckt. Ich muss zugeben, dass wir noch nie bei diesem blauen Fleck waren und so wollten wir herausfinden, was für ein Tümpel sich denn dort befinde. Mit einem kleinen Zvieri, der Karte und der Fotokamera bewaffnet, machten wir uns auf den Weg.  Yana hatte wie üblich noch einen Rucksack vollgestopft mit allerlei Sachen für den „Notfall“ dabei, diesmal waren es, unter anderem, ein Stoffhund namens Moritz und ein Buch. Ebenfalls wie üblich, hat sie dann doch nichts davon gebraucht.

Also, wir machten uns auf den Weg, Leia mit ihrem neuen Velo, Yana noch mit ihrem Alten, Amber im Veloanhänger und ich mit dem Veloanhänger. Auf der Strasse zum Wald ging es noch recht lebhaft und laut zu und her. Aber wir waren noch keine 2 Minuten im Wald, da wurde es auffallend ruhig – ein angenehmes Ruhig. Leia meinte dann auch, es sei immer sooo schön im Wald und ich konnte ihr nur zustimmen. Die Stimmung war wie verzaubert, ich glaube wir hatten alle das Gefühl, dass wir durch einen Märchenwald fuhren. Die Bäume beginnen wieder grün zu werden, der Waldboden ist es schon, und die Sonne hat wunderschön durch das alles gestrahlt und spannende Schatten geworfen. Alles scheint irgendwie wieder jung oder neu zu sein und vor allem voller Leben. Wir konnten richtig fühlen, dass wir mittendrin waren, war einfach schön.

Es ging gar nicht lange, da hatten wir das blaue Fleckchen der Landkarte schon erreicht. Es stellte sich heraus, dass es wirklich ein kleiner Teich war, es hatte eine kleine Tafel auf welcher „Amphibienschutzzone“ stand und sonst nicht viel. Ich wollte eigentlich wieder weiter, aber die Kinder wollten unbedingt ihren Zvieri hier essen. Dann halt, warum eigentlich nicht? Also setzten wir uns auf den Kiesboden und packten aus. Wir haben den ganzen Nachmittag dort verbracht, und viel Spannendes entdeckt. Angefangen hat es damit, dass Leia sehen wollte, wie eine Ameisenstrasse entsteht, zu diesem Zweck hat sie ein halbes Darvida zerkrümelt und sorgfältig auf den Boden gelegt. Eine grosse Strasse konnte sie so zwar nicht erstellen, aber wir konnten doch einige Ameisen beim Abtransportieren von für sie riesigen Stücken beobachten. Es gab noch vieles mehr zu beobachten, unter anderem haben sie viele Kaulquappen entdeckt, Schmetterlinge versucht zu fotografieren, einen Molch und eine Hornisse beobachtet und sich Gedanken darüber gemacht, was das Grüne auf dem Wasser sei.

Bald war der Nachmittag vorbei und ich musste die Beiden schon wieder überreden heimzufahren. Die Einzige, die wohl eher froh war, wieder wegzufahren war Amber. Sie war manchmal etwas frustriert, wenn ich ihre Art der Forschung nicht immer ganz unterstützen konnte. So findet sie es etwa gar nicht lustig, wenn ich sie die Schnecke die am Boden liegt, nicht probieren und schmecken lasse…

Oft haben wir so viel Programm und Dinge zu tun, dabei liegt das Gute so nah. Wie schön doch ein ganz einfacher Nachmittag im Wald sein kann. Ich glaube wir werden bald wieder dorthin gehen – wir müssen doch sehen was aus den Kaulquappen wird 🙂

 

Nachforschungen für Bienenbuch 11. April 2010

Folgendes ist gestern so passiert und hat mich so gefreut, dass ich es jetzt gleich hier aufschreiben will.

Wir waren am Nachmittag alle im Garten, Marcos und ich am Garage aufräumen, Yana mit dem Fotoapparat am Bienen „jagen“, für Leia’s Bienenbuch, meinte sie, und Leia irgendwo, ich wusste gar nicht genau, was sie am machen war. Plötzlich kam sie, ganz aufgeregt und offensichtlich mit sich zufrieden, mit dem in der Mitte aufgeschlagenen Panda Heftchen (WWF-Kinderzeitschrift, jetzige Ausgabe ist über Bienen) und fing mir zu erzählen an: „Ich wollte für mein Bienenbuch wissen, wieviele Beine Bienen haben. Ich glaube, sie haben 6, aber ich bin mir nicht sicher. Da bin ich halt ins Internet gegangen und habe eingegeben „wie viele Beine haben Bienen“. Zuerst habe ich eine Seite angeklickt, wo ich es nicht gefunden habe. Dann bin ich zu Wikipedia gegangen, aber dort war es auf Englisch (hab zwar keine Ahnung wie das kam, ist ja aber auch egal). Ich wollte schon aufgeben, da hatte ich noch die Idee hier nachzusehen (Panda Heftchen) und schau, hier habe ich dieses Foto gefunden, hier kann man es gut sehen. Sie haben 6 Beine.“

Also ich finde: nicht schlecht für erste Klasse!