NATÜRLICH LERNEN

Leben und Lernen einer Homeschooling Familie

Wo liegen die Prioritäten? 1. Juli 2010

Obwohl wir eigentlich deutlich spüren, dass, wie wir unsere Kinder aufziehen, für uns der richtige Weg ist, schleicht sich da manchmal ein kleines Teufelchen in meinen Kopf und stellt Fragen wie: „Werden wir unseren Kindern mit dieser Art der Erziehung gerecht? Was brauchen sie später? Was sind denn überhaupt wichtige Fähigkeiten in 15 oder 20 Jahren?“

In der Schule wird, vor allem in den ersten Jahren, sehr viel Gewicht auf Lesen, Schreiben und Mathematik gelegt. Auf den ersten Blick ist das ja auch einleuchtend, es ist ja irgendwie sowas wie ein Fundament, und darauf kann man aufbauen. Auf die andere Seite sind diese Fähigkeiten eben auch einfach Werkzeuge, die man im täglichen Leben brauchen kann. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber gibt es nicht wichtigeres zum Lernen? Eigentlich dünkt es mich, dass andere Fähigkeiten wie z.B. Teamfähigkeit, Flexibilität, Neugierde, Enthusiasmus, Toleranz eigentlich wichtiger sind als pure Wissensanhäufung. Und trotzdem spielen solche Fähigkeiten in der Schule, obwohl sie durchaus auch berücksichtigt werden, eher eine Randrolle. Was ja auch verständlich ist – wie soll ein Lehrer alle diese Fähigkeiten in den Schulstunden zum Leben erwecken? Geht doch gar nicht! Hier sind vor allem die Eltern gefragt, ob das gefällt oder nicht. Die Aufgabe der Schule reduziert sich darum vielleicht automatisch mehr auf messbare Inhalte, eben Mathe und so. Früher, als Buchstaben und Zahlen im Leben vieler noch weniger präsent waren, denke ich, war es sicher eine gute Idee, Kinder zu sammeln und ihnen in Gruppen mit einer Lehrperson diese Welt zu eröffnen. Inzwischen sind Buchstaben und Zahlen so omnipräsent, dass ein Kind fast gar nicht anders kann, als früher oder später Rechnen, Lesen und Schreiben zu lernen.

Darum wundere ich mich ob es sich überhaupt lohnt, soviel Gewicht auf Lesen, Schreiben und Rechnen zu legen. In der Schule sind das die Hauptthemen, und auch wir sind ein bisschen angesteckt davon, aber vielleicht wird das überbewertet, diese Grundtechniken lernen sie sowieso, fast wie nebenbei, weil es eigentlich gar nicht anders geht.

Aber – wenn nicht  Buchstaben und Rechnen das Hauptthema sind, was ist es dann, was Kinder üben sollen/müssen? Oder besser gesagt, was brauchen sie für Fähigkeiten wenn sie mal gross sind? Wo stehen wir dann? Was ist gefragt? Es gibt so unendlich viele Gebiete auf denen man fast unendlich viel wissen kann – und immer schneller ändert sich dieses Wissen zum Teil auch – kann es sein, dass man mit Fakten lernen gar nicht anders kann, als hinterher zu hinken? Wieviel ist trotzdem wichtig? Was ist denn überhaupt gutes Allgemeinwissen, in dieser Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint? Das sind Fragen die ich mir immer wieder stelle. Irgendwie scheint mir, dass Eigenschaften wie Wissenshunger, Engagement, Enthusiasmus, gute Selbsteinschätzung oder Soziale Kompetenzen wichtiger sind als angehäuftes (und vielleicht schon veraltetes) Wissen. Fähigkeiten wie „an etwas dranzubleiben“, oder „etwas genau verstehen zu wollen“, sind vielleicht wichtiger als einfach pures Sachwissen…

Aber wie kann man denn diese Eigenschaften am Besten fördern? Wohl damit indem man Kindern die Möglichkeit gibt, diese Fähigkeiten oft zu trainieren. Mir scheint, dass ein Kind welches selbstbestimmt seinen täglichen Aktivitäten nachgehen kann, das nicht dauernd unterbrochen wird, wenn es in etwas vertieft ist, das dann etwas erklärt bekommt wann es das auch wissen will, das genug Zeit hat um seine Stärken herauszubilden, mehr Chancen hat solche Eigenschaften zu üben.

Und dann wieder, eigentlich leben wir immer JETZT, die Kindheit ist darum keine „Vorbereitungsphase“ sondern ein Teil des Lebens. Vielleicht ist darum die beste Vorbereitung das was wir schon tun: LEBEN. An jedem Tag in ihrem Leben „Sind“ sie und gehen ihren Interessen nach, in diesem Sinne glaube ich, dass das die beste Art der „Vorbereitung“ ist. Das wird irgendwann ganz natürlich und fliessend in eine „Erwachsenentätigkeit“, Lehre oder Studium übergehen.

 

Über die Natur des Lernens – wie ich es verstehe 12. Mai 2010


Im Eintrag „Kuschelpädagogik versus alte Schule“ habe ich auch noch folgende 3 Behauptungen aufgestellt:

  • Kinder wollen lernen, aber dann wenn die Zeit reif ist für sie etwas zu verstehen, nicht dann, wenn es in irgendeinem Lehrplan steht.
  • Kinder wollen von jemandem lernen, dann wenn sie sehen, dass dieser Mensch Kompetenzen hat, die sie sich auch gerne aneignen würden.
  • Kinder wollen selber aktiv sein, dann, wenn das Aktivsein sich in einer Balance mit dem Passivsein (Entspannung) befinden kann.

Ja, für mich ist es ganz klar, dass Kinder gerne Lernen. Dass man das Wissen nicht in sie hinein stopfen muss, dass das im Gegenteil kontraproduktiv ist. Das eigentlich jedes Kind auch Sachen die von den meisten Erwachsenen gemeinhin als langweilig betrachtet werden, wie z.B. das 1×1, in Rekordzeit erlernen kann und auch wird, wenn es selber über Zeitpunkt sowie die Art des Lernens bestimmen kann. Und zwar auch ganz ohne dass alles auf dem Silbertablett serviert wird, sondern einfach weil es neugierig auf das Leben ist, uns imitieren will und eigentlich gar nicht anders kann, als dauernd zu lernen. Die Frage ist vielleicht nur die, was genau es denn nun lernt…

Und ja, ich gebe es zu, zum Teil hab ich mir diese Ideen erlesen – zum grösseren Teil aber sind das aber auch einfach meine Beobachtungen. So habe ich im Moment das Glück, nochmals ein Baby beobachten zu dürfen und nehme vieles auch anders als früher wahr. Das was vielfach als „Babyspiel“ verniedlicht wird (und es ist ja zweifelsohne auch sehr herzig), ist in Wirklichkeit eine ganz ernste Sache – sozusagen Lernen in  seiner Urform, 100% Konzentration. Nicht umsonst redete Maria Montessori vom „Absorbent Mind“.

Amber am "Einfangen" eines Corn Flakes

Nach und nach wachsen Kinder, aber dieses tiefe Interesse an der Welt kann erhalten bleiben! Nämlich dann, wenn man auch später den inneren Lernplan (ich nenne den absichtlich Lernplan und nicht Lehrplan, weil es ja der Plan im lernenden Kind ist, nicht meiner, was ich ihm lehren will) eines Kindes sich entfalten lässt. Eines kommt nach dem Anderen, alles in seinem Rhythmus. Genau dann, wenn ein Kind bereit ist etwas zu lernen, zeigt es auch ein starkes Interesse auf diesem Gebiet und kann es (scheinbar) leicht und mühelos aufsaugen.

Es passiert mir immer wieder, dass ich irgend eine gute Idee habe, was super Interessantes oder wahnsinnig Wichtiges – ich aber leider die Einzige bin, die das so sieht. Dann versuche ich meine Idee mehr oder weniger erfolglos an den Mann, resp. an meine Kinder zu bringen, nur um nach einer Weile festzustellen, dass es für sie im Moment nicht nur unwichtig ist und es darum fast nicht in den Kopf passt, sondern, dass ich meine Zeit auch ziemlich verschwende und vor allem, dass ich überhaupt nicht mitbekommen habe, was denn nun wirklich angesagt gewesen wäre. Wichtig in diesem Moment für die Kinder. Ich hätte meine Zeit viel gewinnbringender dort investiert. Wir hätten es schöner gehabt miteinander, gelernt hätten sie genauso was – einfach nachhaltiger und das Erfolgserlebnis wäre auf beiden Seiten sicher auch grösser gewesen…

Ebenfalls ist es meiner Meinung nach wichtig zu beachten, dass das Leben verschiedene Rhythmen hat. Nebst z.B. dem Wachen-Schlafen-Rhythmus gibt es auch einen Lern-Rhythmus. Ich hab mich früher immer gewundert, warum ich es einfach nicht schaffe, über längere Zeit täglich etwas zu lernen was ich lernen wollte, z.B. Sprachen. Ich hab da immer eine Weile ganz fleissig geübt und dann ein paar Wochen lang gar nichts mehr gemacht, um danach wieder mit schlechtem Gewissen, aber voll motiviert weiterzumachen. Unterdessen glaube ich zu wissen, dass das nicht einfach nur Faulheit war, sondern halt eben mein Rhythmus. Auch beim Lernen muss man etwas zuerst etwas aufnehmen und danach braucht man Zeit um es zu „verdauen“. Für mich als Mutter kann es manchmal ganz schön schwierig sein, in so einer Verdauungsphase ruhig zu bleiben und nicht ein PPS (Parental Panik Attack) zu bekommen.Wenn es mir aber gelingt abzuwarten, durfte ich immer wieder die Erfahrung machen, dass sich das lohnte. Nach einer ruhigen Phase kommt dann wieder eine intensive Lernphase und beide gehören zusammen und ergänzen einander.

 

Im Wald 21. April 2010

Gestern durften wir einen sozusagen perfekten Nachmittag erleben. Leia hat letzte Woche ein neues Velo (so neu ist das nun auch wieder nicht, nur für uns) bekommen und so haben wir heute beschlossen, es mal richtig auszuprobieren. Sie ist zwar vorher schon mal damit gefahren, aber nur so ca. 50 m hin und her auf der Strasse vor unserem Haus.

Eine der schwierigsten Fragen ist wohl immer die, wohin man denn eigentlich gehen soll. Da habe ich, zum Vereinfachen der Diskussion, eine kleine Karte herausgenommen. Und auf dieser Karte haben wir, im Wald nahe von uns, einen kleinen blauen Fleck entdeckt. Ich muss zugeben, dass wir noch nie bei diesem blauen Fleck waren und so wollten wir herausfinden, was für ein Tümpel sich denn dort befinde. Mit einem kleinen Zvieri, der Karte und der Fotokamera bewaffnet, machten wir uns auf den Weg.  Yana hatte wie üblich noch einen Rucksack vollgestopft mit allerlei Sachen für den „Notfall“ dabei, diesmal waren es, unter anderem, ein Stoffhund namens Moritz und ein Buch. Ebenfalls wie üblich, hat sie dann doch nichts davon gebraucht.

Also, wir machten uns auf den Weg, Leia mit ihrem neuen Velo, Yana noch mit ihrem Alten, Amber im Veloanhänger und ich mit dem Veloanhänger. Auf der Strasse zum Wald ging es noch recht lebhaft und laut zu und her. Aber wir waren noch keine 2 Minuten im Wald, da wurde es auffallend ruhig – ein angenehmes Ruhig. Leia meinte dann auch, es sei immer sooo schön im Wald und ich konnte ihr nur zustimmen. Die Stimmung war wie verzaubert, ich glaube wir hatten alle das Gefühl, dass wir durch einen Märchenwald fuhren. Die Bäume beginnen wieder grün zu werden, der Waldboden ist es schon, und die Sonne hat wunderschön durch das alles gestrahlt und spannende Schatten geworfen. Alles scheint irgendwie wieder jung oder neu zu sein und vor allem voller Leben. Wir konnten richtig fühlen, dass wir mittendrin waren, war einfach schön.

Es ging gar nicht lange, da hatten wir das blaue Fleckchen der Landkarte schon erreicht. Es stellte sich heraus, dass es wirklich ein kleiner Teich war, es hatte eine kleine Tafel auf welcher „Amphibienschutzzone“ stand und sonst nicht viel. Ich wollte eigentlich wieder weiter, aber die Kinder wollten unbedingt ihren Zvieri hier essen. Dann halt, warum eigentlich nicht? Also setzten wir uns auf den Kiesboden und packten aus. Wir haben den ganzen Nachmittag dort verbracht, und viel Spannendes entdeckt. Angefangen hat es damit, dass Leia sehen wollte, wie eine Ameisenstrasse entsteht, zu diesem Zweck hat sie ein halbes Darvida zerkrümelt und sorgfältig auf den Boden gelegt. Eine grosse Strasse konnte sie so zwar nicht erstellen, aber wir konnten doch einige Ameisen beim Abtransportieren von für sie riesigen Stücken beobachten. Es gab noch vieles mehr zu beobachten, unter anderem haben sie viele Kaulquappen entdeckt, Schmetterlinge versucht zu fotografieren, einen Molch und eine Hornisse beobachtet und sich Gedanken darüber gemacht, was das Grüne auf dem Wasser sei.

Bald war der Nachmittag vorbei und ich musste die Beiden schon wieder überreden heimzufahren. Die Einzige, die wohl eher froh war, wieder wegzufahren war Amber. Sie war manchmal etwas frustriert, wenn ich ihre Art der Forschung nicht immer ganz unterstützen konnte. So findet sie es etwa gar nicht lustig, wenn ich sie die Schnecke die am Boden liegt, nicht probieren und schmecken lasse…

Oft haben wir so viel Programm und Dinge zu tun, dabei liegt das Gute so nah. Wie schön doch ein ganz einfacher Nachmittag im Wald sein kann. Ich glaube wir werden bald wieder dorthin gehen – wir müssen doch sehen was aus den Kaulquappen wird 🙂

 

Nachforschungen für Bienenbuch 11. April 2010

Folgendes ist gestern so passiert und hat mich so gefreut, dass ich es jetzt gleich hier aufschreiben will.

Wir waren am Nachmittag alle im Garten, Marcos und ich am Garage aufräumen, Yana mit dem Fotoapparat am Bienen „jagen“, für Leia’s Bienenbuch, meinte sie, und Leia irgendwo, ich wusste gar nicht genau, was sie am machen war. Plötzlich kam sie, ganz aufgeregt und offensichtlich mit sich zufrieden, mit dem in der Mitte aufgeschlagenen Panda Heftchen (WWF-Kinderzeitschrift, jetzige Ausgabe ist über Bienen) und fing mir zu erzählen an: „Ich wollte für mein Bienenbuch wissen, wieviele Beine Bienen haben. Ich glaube, sie haben 6, aber ich bin mir nicht sicher. Da bin ich halt ins Internet gegangen und habe eingegeben „wie viele Beine haben Bienen“. Zuerst habe ich eine Seite angeklickt, wo ich es nicht gefunden habe. Dann bin ich zu Wikipedia gegangen, aber dort war es auf Englisch (hab zwar keine Ahnung wie das kam, ist ja aber auch egal). Ich wollte schon aufgeben, da hatte ich noch die Idee hier nachzusehen (Panda Heftchen) und schau, hier habe ich dieses Foto gefunden, hier kann man es gut sehen. Sie haben 6 Beine.“

Also ich finde: nicht schlecht für erste Klasse!

 

Ein ganz normaler Tag 6. April 2010

Hab schon mit Müttern gesprochen, die froh sind, wenn die Ferien wieder vorbei sind, weil sie gar nicht wissen, was sie mit den Kindern noch machen sollen. Und weil es den Kindern oft langweilig ist. Irgendwie kann ich das nicht ganz nachvollziehen. Bei uns ist eigentlich nie jemandem langweilig. Und das ganz ohne spezielles Programm. Im Gegenteil, oft bleibt nicht mal genug Zeit, um alle Vorhaben umzusetzen. Ausserdem ist dann da noch die Sache mit dem Lernen. „Ja, und wie lernen denn deine Kinder? Lernen die wirklich alles, was sie können müssen?“ Dazu kann ich nur sagen: „Im Moment – ja.“

Zum Beispiel gestern:

Noch vor dem Frühstück hat Leia ein in einem Kindersachbuch über Katzen weitergelesen. Nach dem „Zmorge“ hat sie dann an ihrer Geschichte am PC weiter geschrieben. Es ist gerade eine Geschichte über ein Zebra in einem Zoo am entstehen. Vor dem Mittagessen, als die Sonne kam, sind dann beide noch für ca. eine halbe Stunde in den Garten gegangen. Dort haben sie die Bienen an den Blumen beobachtet und Leia hatte ein Papier dabei, wo sie dann die eine oder andere Beobachtung aufgeschrieben hat. So steht dort z.B. etwa: „Bienen sind sehr wählerisch. Sie fliegen von einer Blume zur anderen, bis sie eine Blume finden die ihnen gefällt.“ Oder der Titel eines anderen Kapitels heisst: „Bienen und Blumen die hängen“.

Nach dem Mittagessen besuchte Leia ihre Klavierstunde. Anschliessend gingen dann beide wieder nach draussen, diesmal um Rollenspiele zu spielen. Sie waren Leoparden, wahrscheinlich inspiriert von einem Buch über Leoparden, welches wir am Tag zuvor zusammen gelesen hatten. Am Abend ging Yana dann ins Turnen, Leia hat diese Zeit daheim genutzt, um an ihrer Geschichte weiterzuschreiben.

Ungefähr so liesse sich das weitererzählen, schliesst sich ein Tag an dem anderen an. Es scheint mir, die Kinder hätten glatt nicht mal Zeit in die Schule zu gehen, vor lauter Lernen…

Woran kann es liegen, dass es manchen Kindern so schnell langweilig wird?

 

Was ein Baum mit Kindern zu tun hat 29. März 2010

Das letzte Mal habe ich über soziale Integration von Kindern die zuhause unterrichtet werden geschrieben und dabei auch das Wort „Erziehung“ benutzt. Leider kenne ich kein besseres Wort, welches das umschreibt, was man mit Kindern eben macht, während sie die Welt entdecken und für sich erobern, also aufwachsen. Aber eigentlich finde ich es kein so super Wort und auch keine gute Umschreibung für das was wir tun. Ich denke man sollte Kinder nicht (er-)ziehen, die sollten in keine Form „gezogen“ werden, sondern möglichst ungehindert wachsen können. In die wunderschöne Form, die ihrer Natur entspricht.

Vielleicht kann man das gut mit dem Vergleich eines Baumes erklären (interessanterweise benutzt man auch für das Bäumeschneiden das Wort erziehen): Man kann aus fast jedem jungen Bäumchen einen Bonsai machen. Das sieht dann ev. ganz hübsch aus, der Baum lebt auch, er geht nicht kaputt.  Aber ist das die Natur eines Baumes? Wenn er sprechen könnte, was würde er uns sagen? Ich weiss es nicht, ich stelle mir aber vor, dass er nicht sehr glücklich wäre über seine Form, weil sie nicht seiner Natur entspricht. Hätte er ein grosser Baum werden können, ich bin mir sicher er wäre auch sehr schön geworden.

So ähnlich sehe ich das bei allen Lebewesen. Aus den Samen eines Löwenzahns wird niemals ein Mammutbaum werden und umgekehrt, aber beide sind auf ihre Weise richtig und wertvoll. Darum denke ich nicht, dass wir Kinder (er-)ziehen müssen. Vielmehr sollten wir sie wachsen lassen, für fruchtbare Erde sorgen, und uns freuen an dem Pflänzchen das da gedeiht und wächst. Was auch immer es für eines ist, mit der richtigen Pflege wird es  wunderschön werden.

In diesem Sinne – wer weiss ein besseres Wort für das, was wir gemeinhin „Erziehung“ nennen?

 

Soziale Kompetenz 25. März 2010

Erst vor ein paar Tagen hab ich wiedermal mit einer Nachbarin über Homeschooling geredet. Wie so oft kam ziemlich bald die Frage: „ich glaub dir ja, dass sie die schulischen Inhalte schon lernen können, aber was ist mit dem Sozialen? Wie können sie das lernen? Vermissen sie nicht andere Kinder?“ Ich muss dann jeweils zugeben, dass das auch eine meiner Hauptsorgen war, sie ist aber in keiner Weise eingetroffen.

Vielleicht ist einfach der Begriff  „Homeschooling“  etwas unglücklich gewählt, für dass was wir machen. Ein Begriff wie „Worldschooling“ würde es wohl besser beschreiben.  Es ist ja nicht so, dass wir zuhause eingesperrt sind, Lernen kann überall stattfinden. Wir haben sehr viel Freiheit wann immer wir wollen Orte und Leute zu besuchen und dem nachzugehen was uns interessiert. Ich glaube, unsere Kinder haben überdurchschnittlich viel Zeit, Leute ihrer Wahl zu treffen und mit ihnen zusammenzusein.

Es stimmt schon, sehr viel Zeit verbringen sie auch zuhause, im Haus oder im Garten, und spielen einfach ihre Fantasiespiele. Wenn man aber dieses „nur spielen“ bei Kindern mal genauer beobachtet, dann kann man  sehen, wieviele Sachen da „so nebenbei“ geübt werden. Ich finde dass immer wieder sehr spannend! Auch sozial passiert da sehr vieles, sie müssen nämlich immer wieder ihre verschiedenen Ideen unter einen Hut bringen, da wird diskutiert, nach Argumenten gesucht, etwas möglichst überzeugend erzählt, nachgegeben, zusammen eine sogar noch bessere Lösung gefunden, verziehen, Kompromisse eingegangen usw.. Darum glaube ich, dass einfaches freies Spiel sehr gute Möglichkeiten bietet, den sozialen Umgang miteinander zu üben.

Da alle Menschen einzigartig sind, gibt es auch keine allgemein gültigen Regeln, was denn das Beste für ein Kind sei. In die Schule zu gehen ist auf jeden Fall auch keine Garantie für gute Sozialkompetenz. Das mag für einige Individuen durchaus geeignet sein, ich wage jetzt aber mal zu behaupten, dass es in fast jeder Klasse sowas wie das schwarze Schaf gibt. Der Aussenseiter. Der, der mehr oder weniger gemoppt wird. Da stellen sich mir ein paar Fragen wie z.B.: Was lernt denn der (oder diese) für soziale Regeln? Kann man ohne Freunde ein positives Selbstbild behalten und sozial kompetenter werden? Und, last but not least,  was lernen dabei eigentlich die die auf der anderen Seite stehen?

Kinder sind so verschieden wie Schneeflocken die vom Himmel fallen. DIE gute Lösung gibt es darum nicht. Ich wage mich aber zu behaupten, dass Kinder die „zuhause geschult“ werden, den Anderen sozial in nichts nachstehen. Dass nicht trotz, sondern vielleicht auch gerade mit dieser Art der Erziehung sozial sehr kompetente Menschen heranwachsen können.