NATÜRLICH LERNEN

Leben und Lernen einer Homeschooling Familie

Amber und das Xylofon 9. September 2010

Filed under: Allgemein,Amber,Aufwachsen — Natürlich lernen @ 06:01
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Amber liebt Musik! Sobald sie irgendwo ein paar zusammenhängende Töne hört, strahlt sie über’s ganze Gesicht und wippt dazu vor und zurück. Manchmal sogar im richtigen Takt.  Gestern sass sie mit dem Xylofon auf dem Boden, hat draufgehauen – aber schön fein, so dass es richtig gut tönte – und hat dazu „aaaahh aahhhh aaaaahh“ gesungen. So richtig herzig!

Bis ich dann aber die Kamera geholt hatte, war sie schon einen Schritt weiter 🙂

Schliesslich muss man ja auch mal nachschauen, woher denn die Töne überhaupt kommen…

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Was kleine Kinder einem lehren können… 21. Juli 2010

Gestern war für mich einer der Tage, an denen nichts so richtig Sinn zu machen scheint. Am liebsten hätte ich mich noch am Morgen gleich wieder ins Bett gekuschelt. Ich war ziemlich lustlos nur das am Erledigen, was unbedingt erledigt werden muss – was mit 2 Kindern, einem Ferienkind, einem Baby, Haus und Garten sowieso mehr oder weniger eine Vollzeitbeschäftigung ist. Dann hab ich mich am Nachmittag, an einem freien Moment, mit unserer Kleinsten ein bisschen auf unser Bett gelegt. Unser Bett ist ziemlich gross und an der Wand hängt ein Spiegel. Den findet sie im Moment absolut interessant, so dass wir ihn herunter genommen und beim Kopf vom Bett hingestellt haben.

Amber war also mit diesem Spiegel am Spielen, als sie sich auf einmal ganz nahe an die Wand gesetzt und den Kopf stark an die Wand gedrückt hat. Es war offensichtlich das sie irgendetwas wollte. Ich hab ihr eine Weile so halbanwesend zugeschaut und dann ist mir plötzlich ein Lichtchen aufgegangen. Am Morgen habe ich den Spiegel ganz von der Wand weg genommen weil sie hinter ihn schauen wollte. Das fand sie sehr spannend. Klar, das wollte sie jetzt wieder ausprobieren. Ich habe also den Spiegel für sie wieder von der Wand genommen – und ihre Reaktion dazu war wirklich bemerkenswert. Nur kleine Kinder können so strahlen, so begeistert und dabei so offen sein, dass es schon fast knistert um sie herum. Da hab ich wohl auch gleich ne gehörige Portion Energie abgekriegt – auf alle Fälle war ich gleich in ihr Spiel involviert worden und überhaupt nicht mehr müde. Sie hat dann mit mir so etwas wie ein „Spiegel-Gugus-Dada“ gespielt, hinter dem Spiegel einander sehen und dann vor dem Spiegel usw.

Warum ich diese, soweit wohl ganz banale Geschichte, hier aufschreibe? Weil ich es wirklich besonders finde, mit wieviel Energie sich Kinder an Sachen machen. Manchmal scheint es irgendwie die Energie aus mir herauszuziehen und ich bin am Abend fix und fertig – manchmal mag es aber auch enorm Energie zu geben, so wie eben heute in diesem Moment. Ich glaube, dass ist eines meiner Hauptanliegen auf unserem Weg als Familie, da ist diese enorme Kraft in kleinen Kindern, die sind so DA, so im LEBEN, so sehr HIER. Das sollten sie möglichst erhalten können. Das ist es auch was ich von ihnen lernen kann. Diese ansteckende Begeisterung, diese brodelnde, ansteckende Lebensenergie. Ich tendiere dazu viele Bücher zu lesen, in denen ich Antworten zum Leben zu finden hoffe – dabei sind sie ja wahrscheinlich schon direkt vor meiner Nase. Eine Antwort auf wie man Wurzeln zieht, oder wie man einen Kuchen backt, lässt sich gut in einem Buch finden. Eine Antwort auf was das Leben ist, oder was wir hier sollen, wohl eher in einem offenen Kindergesicht. Oder beim Betrachten eines Baumes. Oder eines Käfers im Gras. Oder vielleicht überall, man muss nur mal ein bisschen innehalten und offen sein. Kleine Kinder helfen einem dabei, ja sie fordern einem direkt dazu heraus. Und das ist wundervoll.

 

Nochmals über Bienen 8. Juni 2010

Gestern gingen wir auf unseren Dachstock, dort haben wir einige Spiele, von denen wir eines aussuchen und spielen wollten. Soweit ist es aber gar nie gekommen…

Da lag nämlich auf dem Weg eine tote Biene. (Mir ist dann auch klargeworden, warum sich unsere Katze am Morgen mal so seltsam benommen hat, sie hat Geräusche gemacht wie Husten, ihren Mund zu putzen versucht und dabei reklamiert…)  Sofort haben beide eine Lupe geholt und die Biene genau untersucht. Dabei haben sie so allerlei Erkenntnisse gewonnen, zum Beispiel: „Die runden Kreise am Hinterleib der Biene sind ja unten gar nicht rund, sondern so spitzig.“ „Die hat ja fast überall ganz viele Haare.“ Oder:  „Die Fühler sind ja mega lang.“ Bald tauchte die Frage auf, wie gross diese Biene denn eigentlich sei, darum wurde sie dann ausgiebig vermessen. Beide, Leia und Yana waren dabei so interessiert an den Resultaten, dass ich ihnen vorschlug, es doch in einem Heft aufzuschreiben. Dieser Vorschlag wurde von beiden freudig aufgenommen, hier Yana’s Notizen:

Für alle die mit „Kindergärtlerhandschrift“ nicht so vertraut sind, hier die Übersetzung:

Biene

  • Länge: 1cm
  • Breite mit Flügel: 2 cm
  • Breite ohne Flügel: 6mm
  • Flügellänge: 7mm
 

Über die Natur des Lernens – wie ich es verstehe 12. Mai 2010


Im Eintrag „Kuschelpädagogik versus alte Schule“ habe ich auch noch folgende 3 Behauptungen aufgestellt:

  • Kinder wollen lernen, aber dann wenn die Zeit reif ist für sie etwas zu verstehen, nicht dann, wenn es in irgendeinem Lehrplan steht.
  • Kinder wollen von jemandem lernen, dann wenn sie sehen, dass dieser Mensch Kompetenzen hat, die sie sich auch gerne aneignen würden.
  • Kinder wollen selber aktiv sein, dann, wenn das Aktivsein sich in einer Balance mit dem Passivsein (Entspannung) befinden kann.

Ja, für mich ist es ganz klar, dass Kinder gerne Lernen. Dass man das Wissen nicht in sie hinein stopfen muss, dass das im Gegenteil kontraproduktiv ist. Das eigentlich jedes Kind auch Sachen die von den meisten Erwachsenen gemeinhin als langweilig betrachtet werden, wie z.B. das 1×1, in Rekordzeit erlernen kann und auch wird, wenn es selber über Zeitpunkt sowie die Art des Lernens bestimmen kann. Und zwar auch ganz ohne dass alles auf dem Silbertablett serviert wird, sondern einfach weil es neugierig auf das Leben ist, uns imitieren will und eigentlich gar nicht anders kann, als dauernd zu lernen. Die Frage ist vielleicht nur die, was genau es denn nun lernt…

Und ja, ich gebe es zu, zum Teil hab ich mir diese Ideen erlesen – zum grösseren Teil aber sind das aber auch einfach meine Beobachtungen. So habe ich im Moment das Glück, nochmals ein Baby beobachten zu dürfen und nehme vieles auch anders als früher wahr. Das was vielfach als „Babyspiel“ verniedlicht wird (und es ist ja zweifelsohne auch sehr herzig), ist in Wirklichkeit eine ganz ernste Sache – sozusagen Lernen in  seiner Urform, 100% Konzentration. Nicht umsonst redete Maria Montessori vom „Absorbent Mind“.

Amber am "Einfangen" eines Corn Flakes

Nach und nach wachsen Kinder, aber dieses tiefe Interesse an der Welt kann erhalten bleiben! Nämlich dann, wenn man auch später den inneren Lernplan (ich nenne den absichtlich Lernplan und nicht Lehrplan, weil es ja der Plan im lernenden Kind ist, nicht meiner, was ich ihm lehren will) eines Kindes sich entfalten lässt. Eines kommt nach dem Anderen, alles in seinem Rhythmus. Genau dann, wenn ein Kind bereit ist etwas zu lernen, zeigt es auch ein starkes Interesse auf diesem Gebiet und kann es (scheinbar) leicht und mühelos aufsaugen.

Es passiert mir immer wieder, dass ich irgend eine gute Idee habe, was super Interessantes oder wahnsinnig Wichtiges – ich aber leider die Einzige bin, die das so sieht. Dann versuche ich meine Idee mehr oder weniger erfolglos an den Mann, resp. an meine Kinder zu bringen, nur um nach einer Weile festzustellen, dass es für sie im Moment nicht nur unwichtig ist und es darum fast nicht in den Kopf passt, sondern, dass ich meine Zeit auch ziemlich verschwende und vor allem, dass ich überhaupt nicht mitbekommen habe, was denn nun wirklich angesagt gewesen wäre. Wichtig in diesem Moment für die Kinder. Ich hätte meine Zeit viel gewinnbringender dort investiert. Wir hätten es schöner gehabt miteinander, gelernt hätten sie genauso was – einfach nachhaltiger und das Erfolgserlebnis wäre auf beiden Seiten sicher auch grösser gewesen…

Ebenfalls ist es meiner Meinung nach wichtig zu beachten, dass das Leben verschiedene Rhythmen hat. Nebst z.B. dem Wachen-Schlafen-Rhythmus gibt es auch einen Lern-Rhythmus. Ich hab mich früher immer gewundert, warum ich es einfach nicht schaffe, über längere Zeit täglich etwas zu lernen was ich lernen wollte, z.B. Sprachen. Ich hab da immer eine Weile ganz fleissig geübt und dann ein paar Wochen lang gar nichts mehr gemacht, um danach wieder mit schlechtem Gewissen, aber voll motiviert weiterzumachen. Unterdessen glaube ich zu wissen, dass das nicht einfach nur Faulheit war, sondern halt eben mein Rhythmus. Auch beim Lernen muss man etwas zuerst etwas aufnehmen und danach braucht man Zeit um es zu „verdauen“. Für mich als Mutter kann es manchmal ganz schön schwierig sein, in so einer Verdauungsphase ruhig zu bleiben und nicht ein PPS (Parental Panik Attack) zu bekommen.Wenn es mir aber gelingt abzuwarten, durfte ich immer wieder die Erfahrung machen, dass sich das lohnte. Nach einer ruhigen Phase kommt dann wieder eine intensive Lernphase und beide gehören zusammen und ergänzen einander.

 

Im Wald 21. April 2010

Gestern durften wir einen sozusagen perfekten Nachmittag erleben. Leia hat letzte Woche ein neues Velo (so neu ist das nun auch wieder nicht, nur für uns) bekommen und so haben wir heute beschlossen, es mal richtig auszuprobieren. Sie ist zwar vorher schon mal damit gefahren, aber nur so ca. 50 m hin und her auf der Strasse vor unserem Haus.

Eine der schwierigsten Fragen ist wohl immer die, wohin man denn eigentlich gehen soll. Da habe ich, zum Vereinfachen der Diskussion, eine kleine Karte herausgenommen. Und auf dieser Karte haben wir, im Wald nahe von uns, einen kleinen blauen Fleck entdeckt. Ich muss zugeben, dass wir noch nie bei diesem blauen Fleck waren und so wollten wir herausfinden, was für ein Tümpel sich denn dort befinde. Mit einem kleinen Zvieri, der Karte und der Fotokamera bewaffnet, machten wir uns auf den Weg.  Yana hatte wie üblich noch einen Rucksack vollgestopft mit allerlei Sachen für den „Notfall“ dabei, diesmal waren es, unter anderem, ein Stoffhund namens Moritz und ein Buch. Ebenfalls wie üblich, hat sie dann doch nichts davon gebraucht.

Also, wir machten uns auf den Weg, Leia mit ihrem neuen Velo, Yana noch mit ihrem Alten, Amber im Veloanhänger und ich mit dem Veloanhänger. Auf der Strasse zum Wald ging es noch recht lebhaft und laut zu und her. Aber wir waren noch keine 2 Minuten im Wald, da wurde es auffallend ruhig – ein angenehmes Ruhig. Leia meinte dann auch, es sei immer sooo schön im Wald und ich konnte ihr nur zustimmen. Die Stimmung war wie verzaubert, ich glaube wir hatten alle das Gefühl, dass wir durch einen Märchenwald fuhren. Die Bäume beginnen wieder grün zu werden, der Waldboden ist es schon, und die Sonne hat wunderschön durch das alles gestrahlt und spannende Schatten geworfen. Alles scheint irgendwie wieder jung oder neu zu sein und vor allem voller Leben. Wir konnten richtig fühlen, dass wir mittendrin waren, war einfach schön.

Es ging gar nicht lange, da hatten wir das blaue Fleckchen der Landkarte schon erreicht. Es stellte sich heraus, dass es wirklich ein kleiner Teich war, es hatte eine kleine Tafel auf welcher „Amphibienschutzzone“ stand und sonst nicht viel. Ich wollte eigentlich wieder weiter, aber die Kinder wollten unbedingt ihren Zvieri hier essen. Dann halt, warum eigentlich nicht? Also setzten wir uns auf den Kiesboden und packten aus. Wir haben den ganzen Nachmittag dort verbracht, und viel Spannendes entdeckt. Angefangen hat es damit, dass Leia sehen wollte, wie eine Ameisenstrasse entsteht, zu diesem Zweck hat sie ein halbes Darvida zerkrümelt und sorgfältig auf den Boden gelegt. Eine grosse Strasse konnte sie so zwar nicht erstellen, aber wir konnten doch einige Ameisen beim Abtransportieren von für sie riesigen Stücken beobachten. Es gab noch vieles mehr zu beobachten, unter anderem haben sie viele Kaulquappen entdeckt, Schmetterlinge versucht zu fotografieren, einen Molch und eine Hornisse beobachtet und sich Gedanken darüber gemacht, was das Grüne auf dem Wasser sei.

Bald war der Nachmittag vorbei und ich musste die Beiden schon wieder überreden heimzufahren. Die Einzige, die wohl eher froh war, wieder wegzufahren war Amber. Sie war manchmal etwas frustriert, wenn ich ihre Art der Forschung nicht immer ganz unterstützen konnte. So findet sie es etwa gar nicht lustig, wenn ich sie die Schnecke die am Boden liegt, nicht probieren und schmecken lasse…

Oft haben wir so viel Programm und Dinge zu tun, dabei liegt das Gute so nah. Wie schön doch ein ganz einfacher Nachmittag im Wald sein kann. Ich glaube wir werden bald wieder dorthin gehen – wir müssen doch sehen was aus den Kaulquappen wird 🙂

 

Nachforschungen für Bienenbuch 11. April 2010

Folgendes ist gestern so passiert und hat mich so gefreut, dass ich es jetzt gleich hier aufschreiben will.

Wir waren am Nachmittag alle im Garten, Marcos und ich am Garage aufräumen, Yana mit dem Fotoapparat am Bienen „jagen“, für Leia’s Bienenbuch, meinte sie, und Leia irgendwo, ich wusste gar nicht genau, was sie am machen war. Plötzlich kam sie, ganz aufgeregt und offensichtlich mit sich zufrieden, mit dem in der Mitte aufgeschlagenen Panda Heftchen (WWF-Kinderzeitschrift, jetzige Ausgabe ist über Bienen) und fing mir zu erzählen an: „Ich wollte für mein Bienenbuch wissen, wieviele Beine Bienen haben. Ich glaube, sie haben 6, aber ich bin mir nicht sicher. Da bin ich halt ins Internet gegangen und habe eingegeben „wie viele Beine haben Bienen“. Zuerst habe ich eine Seite angeklickt, wo ich es nicht gefunden habe. Dann bin ich zu Wikipedia gegangen, aber dort war es auf Englisch (hab zwar keine Ahnung wie das kam, ist ja aber auch egal). Ich wollte schon aufgeben, da hatte ich noch die Idee hier nachzusehen (Panda Heftchen) und schau, hier habe ich dieses Foto gefunden, hier kann man es gut sehen. Sie haben 6 Beine.“

Also ich finde: nicht schlecht für erste Klasse!