NATÜRLICH LERNEN

Leben und Lernen einer Homeschooling Familie

Lagerwoche in Schelten 7. Juni 2010

Filed under: Aufwachsen,Uncategorized — Natürlich lernen @ 07:26
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Die vorletzte Woche verbrachten wir in einem ganz kleinen, idyllisch gelegenem Dörfchen, an der Grenze zur französisch-sprachigen Schweiz. Es war eine tolle Woche, in der wir alle in verschiedenster Hinsicht auch wieder viel dazulernen durften. Hier unser Bericht:

Homeschooler Lagerwoche in Schelten 2010

In der Woche vom 24. bis 28. Mai 2010 durften wir mit den Schülern im Lager- und Schulhaus von Schelten einige spannende Tage verbringen. Schelten ist eine ganz kleine Gemeinde an der Grenze zum Jura, sie zählt 48 Einwohner, davon 10 Schüler. Da das Lager relativ kurzfristig und spontan geplant wurde, waren auch wir ein sehr kleines Grüppchen von 5 Erwachsenen, 8 Kindern und einem Baby.

Am Pfingstmontag sind wir Nachmittags bei schönstem Wetter langsam eingetrudelt. Wir haben alle unsere Räume in Beschlag genommen und dann ein ziemlich spätes Abendessen genossen. Die Lehrerin, Frau Dorothee Odermatt, durften wir an diesem Abend schon kennenlernen.

Am Dienstag ging dann die Projektwoche so richtig los. Nach einer originellen Vorstellungsrunde und einer gemeinsamen Einstimmung, geleitet von Dorothee Odermatt, gingen wir nach draussen, um nach Moos zu suchen.  Wie riecht Moos? Wie fühlt es sich an? Wie viele Sorten finden wir? Wo finden wir es denn eigentlich? Und – wie ist denn das mit den Wurzeln? Auf alle diese Fragen versuchten wir Antworten zu finden. Natürlich wurde auch ausgiebig Moos gesammelt, um es später im Schulzimmer abzeichnen zu können.

Nach dem Mittagessen hatten die Schüler Sport und wir durften uns auch dazugesellen. Es wurde ein bunter Nachmittag mit Jonglieren, Turnen an der Reckstange, etwas Bodenturnen und zum Schluss sogar noch Schwimmen im eiskalten Wasser des Schwimmbeckens, das hier ebenfalls vorhanden ist.

Am Mittwoch machten wir uns am Morgen mit den Unter- sowie Mittelstufenschülern von Schelten auf eine Wanderung zu einem Bauernhof. Nachdem wir dort die jungen Kätzchen bewundert, die Esel gestreichelt und sogar auf einem Pferd gesessen haben, führte uns der Bauer Hansruedi Roth zu einer wunderschönen Orchideenwiese. Er konnte alle unsere Fragen kompetent beantworten. Leider war es dann auch schon fast wieder Mittagszeit, so dass die Scheltener Kinder sich auf den Heimweg begeben mussten. Wir durften in dieser prächtigen Umgebung unser Picknick geniessen.

Gegen Abend nahmen sich Magdalena, Alexander und Gianna Zeit um unsere Kinder auf Pferd und Pony herumzuführen. Für einige Kinder war das wohl ein Höhepunkt der Woche.

Am Donnerstag wollte Olivier Muff mit den grösseren Kindern zum Klettern an eine geeignete Felswand gehen. Leider spielte das Wetter nicht mehr so gut mit und darum haben wir nach einer Einstimmung alle zusammen im Gemeinschaftsraum zunächst ein paar Knoten geübt. Als es doch noch ein bisschen trockener wurde, konnten wir nach draussen zu einem nahen kleinen Felsen und die Grösseren konnten dort, unter den bewundernden Blicken der Kleineren, einmal ausprobieren hochzuklettern. Ein tolles Erlebnis!

Nach dem Mittagessen haben Olivier und seine Kinder, die Scheltener Kinder zu einer spannenden Englischstunde angeleitet. In verschiedenen Spielen konnte jeder seine Englischkenntnisse praktisch anwenden. Danach folgten noch Sport und Musik, wo wir uns auch anschliessen durften.

Am Freitag hat Frau Odermatt als Abschluss einen schönen und lustigen Spielmorgen vorbereitet. Dabei konnte man erkennen, dass sich in diesen Tagen schon eine schöne Gemeinschaft zu bilden begonnen hat. Es war schön zu sehen, wie die Kinder aufeinander Rücksicht genommen haben und die Grösseren auch mal freiwillig und unauffällig den Kleineren den Vorrang liessen.

Am Samstag hiess es dann schon wieder packen und putzen, gegen Mittag haben wir uns – mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck – auf den Heimweg gemacht.

 

Im Wald 21. April 2010

Gestern durften wir einen sozusagen perfekten Nachmittag erleben. Leia hat letzte Woche ein neues Velo (so neu ist das nun auch wieder nicht, nur für uns) bekommen und so haben wir heute beschlossen, es mal richtig auszuprobieren. Sie ist zwar vorher schon mal damit gefahren, aber nur so ca. 50 m hin und her auf der Strasse vor unserem Haus.

Eine der schwierigsten Fragen ist wohl immer die, wohin man denn eigentlich gehen soll. Da habe ich, zum Vereinfachen der Diskussion, eine kleine Karte herausgenommen. Und auf dieser Karte haben wir, im Wald nahe von uns, einen kleinen blauen Fleck entdeckt. Ich muss zugeben, dass wir noch nie bei diesem blauen Fleck waren und so wollten wir herausfinden, was für ein Tümpel sich denn dort befinde. Mit einem kleinen Zvieri, der Karte und der Fotokamera bewaffnet, machten wir uns auf den Weg.  Yana hatte wie üblich noch einen Rucksack vollgestopft mit allerlei Sachen für den „Notfall“ dabei, diesmal waren es, unter anderem, ein Stoffhund namens Moritz und ein Buch. Ebenfalls wie üblich, hat sie dann doch nichts davon gebraucht.

Also, wir machten uns auf den Weg, Leia mit ihrem neuen Velo, Yana noch mit ihrem Alten, Amber im Veloanhänger und ich mit dem Veloanhänger. Auf der Strasse zum Wald ging es noch recht lebhaft und laut zu und her. Aber wir waren noch keine 2 Minuten im Wald, da wurde es auffallend ruhig – ein angenehmes Ruhig. Leia meinte dann auch, es sei immer sooo schön im Wald und ich konnte ihr nur zustimmen. Die Stimmung war wie verzaubert, ich glaube wir hatten alle das Gefühl, dass wir durch einen Märchenwald fuhren. Die Bäume beginnen wieder grün zu werden, der Waldboden ist es schon, und die Sonne hat wunderschön durch das alles gestrahlt und spannende Schatten geworfen. Alles scheint irgendwie wieder jung oder neu zu sein und vor allem voller Leben. Wir konnten richtig fühlen, dass wir mittendrin waren, war einfach schön.

Es ging gar nicht lange, da hatten wir das blaue Fleckchen der Landkarte schon erreicht. Es stellte sich heraus, dass es wirklich ein kleiner Teich war, es hatte eine kleine Tafel auf welcher „Amphibienschutzzone“ stand und sonst nicht viel. Ich wollte eigentlich wieder weiter, aber die Kinder wollten unbedingt ihren Zvieri hier essen. Dann halt, warum eigentlich nicht? Also setzten wir uns auf den Kiesboden und packten aus. Wir haben den ganzen Nachmittag dort verbracht, und viel Spannendes entdeckt. Angefangen hat es damit, dass Leia sehen wollte, wie eine Ameisenstrasse entsteht, zu diesem Zweck hat sie ein halbes Darvida zerkrümelt und sorgfältig auf den Boden gelegt. Eine grosse Strasse konnte sie so zwar nicht erstellen, aber wir konnten doch einige Ameisen beim Abtransportieren von für sie riesigen Stücken beobachten. Es gab noch vieles mehr zu beobachten, unter anderem haben sie viele Kaulquappen entdeckt, Schmetterlinge versucht zu fotografieren, einen Molch und eine Hornisse beobachtet und sich Gedanken darüber gemacht, was das Grüne auf dem Wasser sei.

Bald war der Nachmittag vorbei und ich musste die Beiden schon wieder überreden heimzufahren. Die Einzige, die wohl eher froh war, wieder wegzufahren war Amber. Sie war manchmal etwas frustriert, wenn ich ihre Art der Forschung nicht immer ganz unterstützen konnte. So findet sie es etwa gar nicht lustig, wenn ich sie die Schnecke die am Boden liegt, nicht probieren und schmecken lasse…

Oft haben wir so viel Programm und Dinge zu tun, dabei liegt das Gute so nah. Wie schön doch ein ganz einfacher Nachmittag im Wald sein kann. Ich glaube wir werden bald wieder dorthin gehen – wir müssen doch sehen was aus den Kaulquappen wird 🙂