NATÜRLICH LERNEN

Leben und Lernen einer Homeschooling Familie

kernkraftwerke 3. und letzter Teil 8. April 2011

Es muss einfach nochmal sein. Obwohl ich mir fest vorgenommen habe, nichts mehr über AKW’s und so zu schreiben, kommt hier noch ein 3. Teil. Natürlich verfolge ich auf Internet und in der Zeitung (die im Moment gratis in unser Haus flattert) interessiert die ganze Debatte. Abwechselnd werde ich mal wütend, mal denke ich: „ich hab es ja schon immer gesagt“, mal bin ich resigniert und manchmal auch nur noch traurig. Jetzt gerade habe ich so einen „nur-noch-traurig-Moment“ und zwar war dieses Bild hier der Auslöser:

Bei Gott, ich hoffe einfach, dass ich nie, nie, nie in meinem Leben meine Kinder mit einem Geigerzähler untersuchen lassen muss!! Was für ein Albtraum!

Und im Artikel steht (unter anderem) wortwörtlich: Da die Kernenergie die sauberste und zuverlässigste Quelle der Stromversorgung weltweit darstelle, bekennt sich Veran  „ausdrücklich“ zu diesem Tätigkeitsgebiet. Auf den Supergau in Japan angesprochen, entgegnet Schegk, dass so etwas in der Schweiz niemals passieren könnte. () „Aber es gibt halt wieder die alten Grabenkriege der Ewiggestrigen.“ Ein paar Zeilen später: Die Aerosol-Überwachung muss auch dann fortgeführt werden, wenn das Kernkraftwerk nicht mehr am Netz ist. Es könnten immer noch radioaktive Teilchen entweichen. Ja, was denn nun? Ist es nun die sauberste und zuverlässigste Stromversorgung, oder kann da sogar nach dem Abstellen, und in dem Falle auch logischerweise vorher, Radioaktivität entweichen??? Bitte, bitte liebe Atomkraftbefürworter, bleibt doch wenigstens bei den Fakten und verkauft uns nicht für dumm!

Apropos: Sogar ich als Atomkraftgegner hab den Befürwortern soweit geglaubt, die AKW’s seien so sicher wie es geht und ein Unfall sehr unwahrscheinlich. Die ungeklärte Endlagerung, sowie das Gewinnen von Uran, waren es vielmehr, was mir persönlich Sorge bereitete. Langsam beginne ich aber zu entdecken, wie sicher diese Sicherheit wirklich ist. Es gibt z.B. mehrere Werke, die nicht mal einem kleinen Sportflugzeug standhalten würden. Sportflugzeuge, das sind die, bei denen man jeden Montag, nach einem schönen Wochenende in der Zeitung lesen kann, wo welche einen Unfall hatten…

Ende März gab es  in der Zeitung einen Artikel (Technik-Freak Jürg Joss kämpft gegen AKW Mühleberg), ich kopiere hier einen Ausschnitt: „Der Techniker traut dem Staudamm rund einen Kilometer oberhalb des AKW nicht. Weil im Krieg der Zement knapp war, wurden Hohlräume ausgespart. Der Fuss des Dammes ist stellenweise auf 10 Prozent reduziert. Wenn der Damm wegen eines starken Erdbebens brechen würde, ergösse sich eine mehrere Meter hohe Flutwelle in Richtung AKW.“

Ich könnte problemlos damit fortfahren, solche Erkenntnisse über die Sicherheit der AKW hier zu verewigen, aber eigentlich ist das nicht der Sinn.  Nur etwas noch: Laut Befürworter ist die Gefahr für einen ernsten Unfall bei einem Atomkraftwerk sehr klein, nur alle 10000 Jahre. Ahh, gut. Es gibt momentan weltweit 437 laufende Werke. Das macht 437 ernste Unfälle in 10000 Jahren, das macht alle 22,88 Jahre einen ernsten Unfall irgendwo auf dieser Erde! Und das nennen die kleine Gefahr?? 2 grosse Unfälle habe ich schon erlebt, wenn ich jetzt also, sagen wir mal 80 werde, habe ich gute Chancen 2 weitere zu erleben… Weitere Rechnungen kann jeder selbst anstellen.

Wann beginnen wir endlich uns kollektiv verantwortungsvoll zu verhalten, mit „unserer“ einzigen Erde die wir haben?

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Kernenergie Teil 2 20. März 2011

Filed under: Allgemein,Mitwelt,Politisches — Natürlich lernen @ 07:00
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Hier noch ein Link zu einigen interessanten Artikeln über die Atomenergie: Atomstrom Mal abgesehen davon, dass sehr klar wird, dass es (immernoch) keine gute Lösung für z.B. all den Müll gibt, wird auch klar ersichtlich(z.B. im 2. Text) wer (am Schluss?) dafür zu bezahlen hat.

 

Billiger Atomstrom? Sichere AKWs? 16. März 2011

Die Diskussion ist wiedermal in vollem Gange, der Baustart des neuen AKWs vielleicht sowieso nur noch eine Frage der Zeit. Warum auch nicht – Atomstrom ist ja billig, in grossen Mengen herzustellen, völlig sicher und erst noch sind wir dann von „Importen unabhängig“. Ausserdem könnte man mit anderen (alternativen) Formen eh nicht genug Strom produzieren. Die Sache ist also klar: Wir brauchen neue Atomkraftwerke! Wirklich? Ist Atomstrom denn wirklich billig?

Obiges habe ich vor einigen Monaten geschrieben, es ist einer der Einträge die irgendwie nie fertig wurden. Jetzt muss ich ihn fast weiterschreiben. Es dürfte ja unterdessen auch dem Hinterletzten klar geworden sein, dass Atomenergie nicht ganz so sicher ist, wie gerne dargestellt. Leider scheint es, dass wir das wiedermal auf die harte Art lernen mussten. Jetzt können wir vorerst mal nur hoffen und beten, dass nicht das allerschlimmste Szenario eintreffen muss!

Japan ist nicht Russland: AKW-Befürworter haben immer argumentiert, dass so was eben nur in etwas „rückständigen Ländern“ passieren könnte. Nun ja, soweit ich weiss ist Japan ziemlich modern. Ausserdem an Erdbeben gewohnt. Trotzdem… Zwei unserer Atomkraftwerke sind übrigens die genau gleichen aus der gleichen Zeit wie die in Japan, habe ich irgendwo gelesen. Mehr muss ja wohl zum Thema Sicherheit nicht mehr gesagt werden…

Ausser vielleicht, dass wenn wir es schon jetzt nicht so ganz im Griff haben, wie können wir denn eine sichere Lösung für die Abfälle die noch Tausende von Jahren strahlen, zu finden glauben? Sorry, aber diese Idee erscheint mir im besten Fall lächerlich!

Oben, im alten Text, wollte ich als erstes den Punkt „billige Energie“ aufgreifen. Auch dies hat jetzt noch einen Extraaspekt dazugekriegt. Wir sehen jetzt gerade, wie unglaublich teuer das kommen kann… Ausserdem ist weder die Gewinnung von Uran billig, jedenfalls nicht für die Umwelt, noch die Abfallentsorgung. Das wird gerne ein bisschen unter den Tisch geschoben. Aber am Ende bezahlen doch wir alle. Unausweichlich.

Laut Statistiken gibt es in der unmittelbaren Nähe von Atomkraftwerken auffallend mehr Krebsfälle als anderswo. Hab mir sagen lassen, dass aber sogar in der Nähe von AKW´s die Radioaktivität kleiner ist, als an manchen Orten auf dieser Erde sie natürlicherweise ist. Und dass an diesen Orten mit natürlich hoher Radioaktivität die Krebsraten sogar ausgesprochen gering sind. Scheint also den Statistiken zu widersprechen… Aber wie sind denn die zu erklären? Ich weiss es nicht, bin kein Experte, kann mir aber vorstellen, dass Radioaktivität eben nicht gleich Radioaktivität ist. Vielleicht auch nicht wenn chemisch gesehen kein Unterschied besteht. Vielleicht gibt es eben doch einen? Die Idee scheint irgendwie nahe zu liegen…

Obwohl ich noch viel schreiben könnte, möchte ich mich hier kurz fassen: Atomenergie ist weder billig, noch lokal und schon gar nicht sicher!! Darum täten wir besser daran, uns ernsthaft mit anderen Energieformen zu beschäftigen. Es geht nicht darum ob eine Energiewende machbar ist oder nicht, sondern vielmehr müssen wir alles daran setzen, herauszufinden, WIE sie machbar ist. Weil wir gar keine anderen wirklichen Alternativen haben.

 

André Stern 5. Februar 2011

Die neue Webpage vom Verein „Bildung zu Hause Schweiz“ ist da. Nach meinem Geschmack ist sie viel besser geworden, übersichtlicher, aber auch frischer und angenehmer zu lesen. Aber der Grund, warum ich das hier sage ist, weil es gleich auf der Startseite ein spannendes Filmchen hat. Ein ca. 12 min Interview mit André Stern, einem mittlerweile erwachsenen „Freilerner“ oder „Unschooler“ aus Frankreich. Hier kann man es sich anschauen.

 

Am Römerfest 3. September 2010

Letzten Sonntag waren wir am Römerfest in Augusta Raurica, heute besser bekannt als Augst. Da bei unseren Kindern (und vor allem bei Leia) schon seit längerer Zeit die Römer immer wieder ein Thema sind, war das  sozusagen ein Pflichtausflug.

Alles in allem, ich darf wohl ein bisschen Werbung machen, finde ich es ein gelungener Versuch, den Leuten eine andere Zeit unterhaltsam näher zu bringen. Es gibt viele Stände und Angebote, die vor allem für Kinder wirklich interessant sind. So haben sie dieses Jahr z.B. zugeschaut wie man ein Seil herstellt, haben so ein rundes Mühlespiel gespielt, Alte Sagen gehört, ein Quiz ausgefüllt und ein Buch gewonnen, und nachdem sie im Mosaikkeller die riesigen Mosaiken gesehen haben, wollten sie auch welche herstellen. Dafür reichte aber leider die Zeit nicht mehr. Ausserdem durften sie Ponyreiten (Yana’s Höhepunkt des Tages) und natürlich haben wir uns die Gladiatorenshow angesehen.

Leia war hin und weg, hat glaub alle gegebenen Informationen über diese Kämpfe förmlich aufgesogen – Marcos und ich sind beide mit gemischten Gefühlen zurückgeblieben.

Politiker wollten dem Volk gefallen, hiess es da, wollten die Wahlen gewinnen – und darum organisierten sie diese Kämpfe, darum hörten sie auch auf die Meinung des Volkes nach einem Kampf – Leben oder Tod (für den Gladiator natürlich).  Äähhhmmm… bin ich vielleicht nicht die Einzige, die da gewisse Parallelen zu heute sieht? Ich meine, der Teil mit dem Blut, den wollen wir wohl nicht mehr, aber der Teil mit „Brot und Spiele“, wenn wir ehrlich sind, ganz so anders funktioniert doch die Politik auch jetzt noch nicht… Ich sage nur: Fussballweltmeisterschaft, oder auch: Amerikanischer Wahlkampf. Letzteres finde ich eigentlich noch besonders bemerkenswert – man bedenke dass mit diesen Popstar Veranstaltungen immerhin der wohl immer noch wichtigste Präsident der Erde gewählt wird…

Da sassen wir also und haben uns diese Show reingezogen, haben „Römisches Volk im Amphitheater“ gespielt. Nach den, Gottseidank heutzutage unblutigen (und nicht mal besonders realistischen), Kämpfen durften wir als Volk dann eben auch über „Leben und Tod“ unserer „Gladiatoren“ entscheiden. Hhmm… sagt mal, ihr Leute die auch schon mal da waren, waren wir etwa die einzigen, die da Spielverderber waren? Nehme ich das alles etwas zu ernst? Oder gibt es noch viele die das gar nicht so lustig fanden?  Also ich schaffte es nicht mitzumachen und eine Hand zu heben, nicht für „Tod“, aber auch nicht mal für „Leben“. Wer wäre ich denn, um über so eine Frage eines anderen Menschen zu entscheiden? Obwohl es ja nur Spiel war – und wo setzt man denn die Grenzen, wie weit darf man gehen?

Interessant dazu fand ich auch noch, dass nach dem ersten „Kampf“ das „Volk“ klar „Leben“ wählte. Nach dem Zweiten auch noch, nach dem Dritten schon nicht mehr so deutlich, und der Fünfte wurde klar in den „Tod“ geschickt. Es scheint man gewöhnt sich an alles – Grenzen verschieben sich laufend…

Wir Menschen sind genetisch nicht so verschieden, viele Römer vergnügten sich in ihrer Freizeit mit Gladiatorenspielen und anderen blutigen Darbietungen – was bräuchte es, dass sowas auch bei uns wieder möglich würde?

 

Ein paar Gedanken über die Burka 6. Mai 2010

Heute stand auf der Titelseite unserer Zeitung gross zu lesen: „Burka-Verbot: Jetzt machen Kantone Druck“. Wie so oft wenn es um Politik geht, war die spontane Reaktion meines Mannes etwa genau das Gegenteil meiner. „Endlich, ja klar“, meinte er (zu einem Burka-Verbot). Ich wunderte mich, was daran so klar sein soll. Leben wir nicht in einem freien Land (Oder wenigstens so ähnlich)? Ein Land in dem jeder herumlaufen kann wie es ihm passt?

Ganz klar, ich will weder in einer Burka herumlaufen, noch kann ich mir vorstellen warum das jemand wollte; sollte das aber wirklich jemand toll finden, so ist das doch sein resp. ihr Problem. Mir fehlt z.B auch das Vorstellungsvermögen, was so toll daran sein sollte, mit einem Motorrad in halsbrecherischem Tempo über einen Pass zu jagen, aber nur weil ich das völlig doof finde, kann ich das doch noch lange nicht jedem verbieten… Wir geniessen hier in der Schweiz eine relativ hohe Freiheit (wenigstens im Vergleich zu einigen anderen Ländern) und die ist wertvoll und sollte auch verteidigt werden, ich glaube soweit sind sich die meisten einig. Nur, wie soll das genau geschehen? Ich wage wirklich zu zweifeln, ob man sich Freiheit mit Verboten erhalten kann. Ja, klar, Regeln braucht es, allerdings würde eigentlich eine genügen und zwar: „Was du nicht willst, dass man dir tut…“ den Rest kennt sicher jeder.

Zurück zur Burka – wer wird denn wie dadurch geschädigt, dass jemand freiwillig so ein (Un-) Ding trägt? Eigentlich niemand. Ausser natürlich, die Frau wird dazu gezwungen. Was die ganze Sache grundlegend ändern würde. Schliesslich leben wir in einem freien Land. Genau so, wie wir hier ganz klar Zwangsehen, unfreiwillig getragene Kopftücher, Mädchen die nicht in den Schwimmunterricht dürfen, Beschneidungen usw. nicht tolerieren dürfen, darf auch niemand zu so einer Kleidung gezwungen werden. Aber eigentlich glaube ich nicht, dass das hier ein Problem ist, ich denke, sogar in Ländern mit Burka-Pflicht ist der Grund dafür wohl eher in der extremen Regierung, als in der Einstellung der meisten Ehemänner zu suchen.

Vom Minarett zur Burka. Vor nicht langer Zeit wurde hierzulande über ein Minarett-Verbot diskutiert, welches in einer Abstimmung dann auch angenommen wurde. Ich bin mir zwar auch da nicht sicher, ob ein Verbot wirklich nötig war, kann es aber nachvollziehen. Das Argument, dass es kein Minarett braucht um den Moslemischen Glauben zu leben, sondern höchstens um oben zu sitzen und hinunterzuschreien, hat eine bestechende Logik… Und vor allem als ich gemerkt habe, wieviel Zorn das Verbot in einigen Kreisen ausgelöst hat, habe ich gedacht, dass es vielleicht auch gut war hier mal „ein Zeichen zu setzen“. Aber wir müssen es ja nicht gleich übertreiben, Frauen in Burkas schreien keine Hasspredigten herum.

Also, ich schlage vor: lassen wir uns doch nicht so schnell einschüchtern und Angst machen und stehen stattdessen zu unserer Freiheit. Jedem das seine, solange er nicht auf den Nächsten tritt! Verteidigen oder erringen wir besser unsere Freiheit dort, wo es wirklich nötig ist und lassen uns von der extrem seltenen Art der „Freiwillig total verschleierten Frauen“ nicht so einfach ins Bockshorn jagen!