NATÜRLICH LERNEN

Leben und Lernen einer Homeschooling Familie

Am Römerfest 3. September 2010

Letzten Sonntag waren wir am Römerfest in Augusta Raurica, heute besser bekannt als Augst. Da bei unseren Kindern (und vor allem bei Leia) schon seit längerer Zeit die Römer immer wieder ein Thema sind, war das  sozusagen ein Pflichtausflug.

Alles in allem, ich darf wohl ein bisschen Werbung machen, finde ich es ein gelungener Versuch, den Leuten eine andere Zeit unterhaltsam näher zu bringen. Es gibt viele Stände und Angebote, die vor allem für Kinder wirklich interessant sind. So haben sie dieses Jahr z.B. zugeschaut wie man ein Seil herstellt, haben so ein rundes Mühlespiel gespielt, Alte Sagen gehört, ein Quiz ausgefüllt und ein Buch gewonnen, und nachdem sie im Mosaikkeller die riesigen Mosaiken gesehen haben, wollten sie auch welche herstellen. Dafür reichte aber leider die Zeit nicht mehr. Ausserdem durften sie Ponyreiten (Yana’s Höhepunkt des Tages) und natürlich haben wir uns die Gladiatorenshow angesehen.

Leia war hin und weg, hat glaub alle gegebenen Informationen über diese Kämpfe förmlich aufgesogen – Marcos und ich sind beide mit gemischten Gefühlen zurückgeblieben.

Politiker wollten dem Volk gefallen, hiess es da, wollten die Wahlen gewinnen – und darum organisierten sie diese Kämpfe, darum hörten sie auch auf die Meinung des Volkes nach einem Kampf – Leben oder Tod (für den Gladiator natürlich).  Äähhhmmm… bin ich vielleicht nicht die Einzige, die da gewisse Parallelen zu heute sieht? Ich meine, der Teil mit dem Blut, den wollen wir wohl nicht mehr, aber der Teil mit „Brot und Spiele“, wenn wir ehrlich sind, ganz so anders funktioniert doch die Politik auch jetzt noch nicht… Ich sage nur: Fussballweltmeisterschaft, oder auch: Amerikanischer Wahlkampf. Letzteres finde ich eigentlich noch besonders bemerkenswert – man bedenke dass mit diesen Popstar Veranstaltungen immerhin der wohl immer noch wichtigste Präsident der Erde gewählt wird…

Da sassen wir also und haben uns diese Show reingezogen, haben „Römisches Volk im Amphitheater“ gespielt. Nach den, Gottseidank heutzutage unblutigen (und nicht mal besonders realistischen), Kämpfen durften wir als Volk dann eben auch über „Leben und Tod“ unserer „Gladiatoren“ entscheiden. Hhmm… sagt mal, ihr Leute die auch schon mal da waren, waren wir etwa die einzigen, die da Spielverderber waren? Nehme ich das alles etwas zu ernst? Oder gibt es noch viele die das gar nicht so lustig fanden?  Also ich schaffte es nicht mitzumachen und eine Hand zu heben, nicht für „Tod“, aber auch nicht mal für „Leben“. Wer wäre ich denn, um über so eine Frage eines anderen Menschen zu entscheiden? Obwohl es ja nur Spiel war – und wo setzt man denn die Grenzen, wie weit darf man gehen?

Interessant dazu fand ich auch noch, dass nach dem ersten „Kampf“ das „Volk“ klar „Leben“ wählte. Nach dem Zweiten auch noch, nach dem Dritten schon nicht mehr so deutlich, und der Fünfte wurde klar in den „Tod“ geschickt. Es scheint man gewöhnt sich an alles – Grenzen verschieben sich laufend…

Wir Menschen sind genetisch nicht so verschieden, viele Römer vergnügten sich in ihrer Freizeit mit Gladiatorenspielen und anderen blutigen Darbietungen – was bräuchte es, dass sowas auch bei uns wieder möglich würde?

 

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