NATÜRLICH LERNEN

Leben und Lernen einer Homeschooling Familie

Über die Natur des Lernens – wie ich es verstehe 12. Mai 2010


Im Eintrag „Kuschelpädagogik versus alte Schule“ habe ich auch noch folgende 3 Behauptungen aufgestellt:

  • Kinder wollen lernen, aber dann wenn die Zeit reif ist für sie etwas zu verstehen, nicht dann, wenn es in irgendeinem Lehrplan steht.
  • Kinder wollen von jemandem lernen, dann wenn sie sehen, dass dieser Mensch Kompetenzen hat, die sie sich auch gerne aneignen würden.
  • Kinder wollen selber aktiv sein, dann, wenn das Aktivsein sich in einer Balance mit dem Passivsein (Entspannung) befinden kann.

Ja, für mich ist es ganz klar, dass Kinder gerne Lernen. Dass man das Wissen nicht in sie hinein stopfen muss, dass das im Gegenteil kontraproduktiv ist. Das eigentlich jedes Kind auch Sachen die von den meisten Erwachsenen gemeinhin als langweilig betrachtet werden, wie z.B. das 1×1, in Rekordzeit erlernen kann und auch wird, wenn es selber über Zeitpunkt sowie die Art des Lernens bestimmen kann. Und zwar auch ganz ohne dass alles auf dem Silbertablett serviert wird, sondern einfach weil es neugierig auf das Leben ist, uns imitieren will und eigentlich gar nicht anders kann, als dauernd zu lernen. Die Frage ist vielleicht nur die, was genau es denn nun lernt…

Und ja, ich gebe es zu, zum Teil hab ich mir diese Ideen erlesen – zum grösseren Teil aber sind das aber auch einfach meine Beobachtungen. So habe ich im Moment das Glück, nochmals ein Baby beobachten zu dürfen und nehme vieles auch anders als früher wahr. Das was vielfach als „Babyspiel“ verniedlicht wird (und es ist ja zweifelsohne auch sehr herzig), ist in Wirklichkeit eine ganz ernste Sache – sozusagen Lernen in  seiner Urform, 100% Konzentration. Nicht umsonst redete Maria Montessori vom „Absorbent Mind“.

Amber am "Einfangen" eines Corn Flakes

Nach und nach wachsen Kinder, aber dieses tiefe Interesse an der Welt kann erhalten bleiben! Nämlich dann, wenn man auch später den inneren Lernplan (ich nenne den absichtlich Lernplan und nicht Lehrplan, weil es ja der Plan im lernenden Kind ist, nicht meiner, was ich ihm lehren will) eines Kindes sich entfalten lässt. Eines kommt nach dem Anderen, alles in seinem Rhythmus. Genau dann, wenn ein Kind bereit ist etwas zu lernen, zeigt es auch ein starkes Interesse auf diesem Gebiet und kann es (scheinbar) leicht und mühelos aufsaugen.

Es passiert mir immer wieder, dass ich irgend eine gute Idee habe, was super Interessantes oder wahnsinnig Wichtiges – ich aber leider die Einzige bin, die das so sieht. Dann versuche ich meine Idee mehr oder weniger erfolglos an den Mann, resp. an meine Kinder zu bringen, nur um nach einer Weile festzustellen, dass es für sie im Moment nicht nur unwichtig ist und es darum fast nicht in den Kopf passt, sondern, dass ich meine Zeit auch ziemlich verschwende und vor allem, dass ich überhaupt nicht mitbekommen habe, was denn nun wirklich angesagt gewesen wäre. Wichtig in diesem Moment für die Kinder. Ich hätte meine Zeit viel gewinnbringender dort investiert. Wir hätten es schöner gehabt miteinander, gelernt hätten sie genauso was – einfach nachhaltiger und das Erfolgserlebnis wäre auf beiden Seiten sicher auch grösser gewesen…

Ebenfalls ist es meiner Meinung nach wichtig zu beachten, dass das Leben verschiedene Rhythmen hat. Nebst z.B. dem Wachen-Schlafen-Rhythmus gibt es auch einen Lern-Rhythmus. Ich hab mich früher immer gewundert, warum ich es einfach nicht schaffe, über längere Zeit täglich etwas zu lernen was ich lernen wollte, z.B. Sprachen. Ich hab da immer eine Weile ganz fleissig geübt und dann ein paar Wochen lang gar nichts mehr gemacht, um danach wieder mit schlechtem Gewissen, aber voll motiviert weiterzumachen. Unterdessen glaube ich zu wissen, dass das nicht einfach nur Faulheit war, sondern halt eben mein Rhythmus. Auch beim Lernen muss man etwas zuerst etwas aufnehmen und danach braucht man Zeit um es zu „verdauen“. Für mich als Mutter kann es manchmal ganz schön schwierig sein, in so einer Verdauungsphase ruhig zu bleiben und nicht ein PPS (Parental Panik Attack) zu bekommen.Wenn es mir aber gelingt abzuwarten, durfte ich immer wieder die Erfahrung machen, dass sich das lohnte. Nach einer ruhigen Phase kommt dann wieder eine intensive Lernphase und beide gehören zusammen und ergänzen einander.

 

3 Responses to “Über die Natur des Lernens – wie ich es verstehe”

  1. amruthgen Says:

    Ich stimme Dir in allem, was Du über ‚lernen‘ und ‚Lernplan‘, sinngemäß über ‚lehren und Lehrplan‘ geschrieben hast, geradezu freudig zu. Ich bin eine altgediente Lehrerin und habe vor einigen Jahren entdeckt, dass meine sogenannten Lernziele für die Kinder, eigentlich Lehrziele heißen müssten. Niemand weiß, wie, wann und wodurch ein Kind am besten lernt. Doch Lehrer und die Kultusbeamten sind sich da immer ganz sicher. Wie schön, dass es Mütter wie Dich gibt!

  2. amruthgen Says:

    Ich sehe da auch Hinweise in die gleiche Richtung durch die Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften. Nur das, so meint Manfred Spitzer in seinem Buch übers „Lernen“ ist wirklich ‚lernen‘, was für das Gehirn besser funktioniert. Das, was die Schule ‚lernen‘ nennt, ist ein Auswendiglernen, was neurophysiologisch nur von sekundärer Bedeutung ist und von Neurowissenschaftlern und anderen Lernforschern nicht mehr als ‚lernen‘ aufgefasst wird. Du beobachtest täglich am Lernverhalten Deiner Kinder, dass ihre Lernimpulse von ihnen ausgehen. Dies entspricht den Schlussfolgerungen aus Experimenten und Forschungen hinsichtlich neuronaler Prozesse und Aktivitäten unserer Physis.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s